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Red Bull Nachwuchsakademie

15.05.2008Planung: Stadtplanung

Red Bull und die Nachwuchsakademie: Aus Sicht der Raumordnung,der Stadtentwicklung, des Naturschutzes, der Grünlanddeklaration, der Planungskultur, des Freiraumkonzeptes und zuvorderst der Demokratie und Bürgerbeteiligung.

Pressegespräch am 15. Mai 2008 mit Stadtrat Johann Padutsch.

Zusammenfassung und Resümee:

  1. Ich halte eine Nachwuchsakademie Fußball-/Eishockey im Sinne der Entwicklungsziele der Kernstadt Salzburg für überlegenswert und grundsätzlich machbar.
  2. Ob der damit verbundene Eingriff im Sinne der Grundsätze und Ziele der Raumordnung und Stadtentwicklung, sowie des Grünlandschutzes, auf Grund des Bauvolumens des Projektes, raumplanerisch, naturschutzfachlich und demokratiepolitisch vertretbar oder wünschenswert ist, muss in einem offenen Prozess, auf hohem fachlichem Niveau und unter intensiver Einbindung der Bevölkerung, entschieden werden.
  3. Eine „Salamitaktik“ (erst naturschutzrechtliche Bewilligung der Freianlagen/Sportplätze, dann die „zitzerlweise“ Bewilligung von Baumaßnahmen, unter Ausschöpfung aller planungs- und baurechtlichen Spielräume) ist inakzeptabel.Das Projekt ist in seiner Gesamtheit zu entwickeln, zu beurteilen, zu bewerten und gegebenenfalls in Teilschritten umzusetzen.
  4. Dazu ist ein intensiver Beteiligungsprozess mit der Salzburger Bevölkerung zu starten, der jedenfalls die umfassende Darstellung des Projektes, in sportpädagogischer Hinsicht, sowie aus Sicht der Stadtentwicklung und des Grünlandschutzes, umfasst.Dazu ist die Übereinstimmung mit den Zielen und Grundsätzen REK 2007 darzustellen und der Öffentlichkeit schlüssig zu erklären, dass sich Red Bull zwar Vieles kaufen kann, aber hoheitsrechtlich und behördlich den selben Kriterien unterliegt, wie der Besitzer des Kleingartens, der seine Gartenhütte nicht größer bauen darf als 14 m2.
  5. Ich bestehe darauf, dass das Projekt ganzheitlich und nicht nach der „Salamitaktik“ diskutiert, entschieden und gegebenenfalls umgesetzt wird, wozu jedenfalls auch, neben der adäquaten Bürgerbeteiligung, die Durchführung eines kombinierten landschaftsplanerischen/architektonisch/städtebaulichen Wettbewerbes zählt.Die Nachwuchsakademie muss höchsten Qualitätsstandards, auch im Sinne einer Ökobilanz, entsprechen.
  6. Es muss sichergestellt werden können, dass die Nachwuchsakademie eine Nachwuchsakademie bleibt und mittel- bis langfristig nicht zu einer intensiv genutzten Veranstaltungsstätte wird. Dies ist u.a. auch aus verkehrlicher Sicht völlig undenkbar.
  7. Die Einbindung der Vertreter der Grünlandinitiativen ist dabei in jedem Schritt zu gewährleisten.

Einleitung:

Ich denke, es ist wichtig, das Projekt einer sportbezogenen „Nachwuchsakademie“ vorerst primär dem Inhalt nach zu bewerten, weitgehend unabhängig von Standort und Betreiber.

Dazu ist es wichtig, zu wissen, nach welchem Konzept gearbeitet wird, wie und ob also vorhandenen Talenten aus der erweiterten Region „Kernstadt Salzburg“, die Möglichkeit zur Förderung und Ausbildung ihres Talentes geboten wird (ähnlich dem Erfolgskonzept der Wintersportgymnasien).

In den bisherigen Gesprächen hat Red Bull mitgeteilt, dass die Nachwuchsakademie Salzburg nach dem so genannten Schulsportmodell (die Schüler der Fußballakademie gehen tagsüber ihrer beruflichen und schulischen Ausbildung nach, die sportliche Ausbildung geschieht im Rahmen der Nachwuchsakademie für Fußball und Eishockey) betrieben werden soll.

Der Einzugsbereich ist im Wesentlichen mit der genannten Region definiert. Die verkehrliche Bewältigung soll im Wesentlichen mit eigenen Bustransfers geschehen.

Es gibt allerdings noch kein schriftlich vorgelegtes Konzept, was den an sich glaubhaften Aussagen eine gewisse Unverbindlichkeit verleiht.

Raumordnung und Stadtentwicklung

Zu den Aufgaben der Raumordnung und Stadtentwicklung gehört auch die Sicherstellung wichtiger Funktionen und Dienstleistungen und die Förderung von nachhaltigen, regional wirk- und bedeutsamen Einrichtungen als Kernstadt der Europaregion Salzburg.

Das ist eine der Kernfragen zum Projekt einer Red Bull Nachwuchsakademie auf dem Gelände der Trabrennbahn, das als einziges in der Stadt Salzburg über eine 10 Hektar große Flächenwidmung „Grünland-Sport“ verfügt.

Wenn die in der Einleitung wiedergegebenen Aussagen von Red Bull zutreffen (woran a priori nicht gezweifelt werden muss), dann kann eine Fußball-/Eishockey-Nachwuchsakademie als positiver Beitrag zur Entwicklung der Kernstadt Salzburg gesehen werden.

Für den Standort spricht die ca. 10 ha große bestehende Flächenwidmungskategorie „Grünland-Sport“ und das recht große Ausmaß, der im Bereich der Trabrennbahn bereits versiegelten Flächen.

Dieser Standort ist mit Sicherheit in der Stadt, aber auch mit hoher Wahrscheinlichkeit im Umfeld der Stadt, vermutlich der einzige, der überhaupt für die Errichtung einer Sportnachwuchsakademie, mit diesem baulichen Ausmaß grundsätzlich in Frage kommt.

14.000 m2 bis 15.000 m2 Bruttogeschoßfläche, eine kombinierte Fußball-/Eishockey-Halle mit einer Seitenlänge von ca. 140 m x 70 m, ein ca. 12 m hoher und 140 m langer Baukörper, zur Unterbringung des Internats für unter 16jährige, sowie sämtlicher Unterrichts-, Gemeinschafts-, Sanitär-, Technikräumen, etc.

Trotzdem: der Eingriff ist u.A. nach den Raumordnungsgrundsätzen der verstärkten Berücksichtigung der Umweltbelange bei der Abwicklung ökologischer und ökonomischer Ansprüche an den Raum und der Unterstützung des Natur- und Landschaftsschutzes doch recht heftig.

Auch deshalb soll hier einem weiteren Prinzip der Raumordnung, nämlich der angemessenen Beteiligung der Bevölkerung bei der Erstellung des räumlichen Entwicklungskonzeptes und des Flächenwidmungsplanes, Rechnung getragen werden.

Wo sonst, wenn nicht bei einer Entscheidung, die nach den Prinzipien der Raumordnung, zumindest potentiell zwei Seiten hat, also durchaus eine Grundsatzentscheidung ist, muss dieser auch gesetzliche Auftrag besonders engagiert erfüllt werden.

Naturschutz

Das Gelände der Trabrennbahn befindet sich zur Gänze im Landschaftsschutzgebiet „Salzachsee-Saalachspitz“. Die Landschaftsschutzverordnung gibt im Wesentlichen vor: „Die Erhaltung der besonderen landschaftlichen Schönheit der Wiesenlandschaft mit ihren Bachläufen, Gehölzsäumen … Seen, Weihern und Auwaldsaum, sowie der Erlebnis- und Erholungswert für die Bevölkerung.“

Der Naturschutz hat zu beurteilen, ob der vorgesehene Eingriff in diesem Sinne vertretbar ist (unter Berücksichtigung des vorhandenen Zustandes, also auch der Tatsache, dass es bereits eine versiegelte Fläche von ca. 5 ha gibt). Die Frage ist also, ob das, was hier entstehen soll, gegenüber dem Bestand eine Verbesserung ist, zumindest keine Verschlechterung und wenn, ob diese „ausgleichsfähig“ im Sinne des Naturschutzgesetzes ist.

Wenn der Eingriff eine Verschlechterung darstellt, ist er dann „ausgleichsfähig“, wenn diese Verschlechterung mit anderen Maßnahmen zu Gunsten des Natur- und Landschaftsschutzes ausgeglichen werden kann.

Red Bull bietet die Renaturierung einer ca. 3,5 ha großen Fläche an, die derzeit – zumindest teilweise – nicht dem Schutzzweck der Landschaftsschutzverordnung entsprechend ist. Diese Fläche ist jener Teil des von Red Bull gekauften Gesamtareals, der nicht über eine Grünlandwidmung „Sport“ verfügt.

Daneben ist im Zuge der so genannten „Variantenprüfung“ zu bewerten, ob beispielsweise bestehende Qualitäten, wie z.B. 200 Bäume und einzelne Hecken, die allein schon für die Errichtung der Freiflächen (Fußballfelder, etc.) umgeschnitten werden müssten, nicht, zumindest teilweise, erhalten werden könnten, z.B. indem zwei Spielfelder so positioniert werden, dass eine bestehende Hecke dazwischen liegt und somit erhalten werden könnte.

Grünlanddeklaration

Sowohl in der bestehenden, als auch in der, mit den Vertretern der Grünlandinitiativen ausverhandelten „Grünlanddeklaration-Neu“, ist die Möglichkeit einer „Sonderbaulandwidmung-Sport“, wenn diese den „Zielen der Grünlanddeklaration und des Landschaftsschutzes“ nicht widerspricht, möglich.

Dabei ist natürlich auch das Ausmaß des baulichen Eingriffs zu bewerten. Für jene Sportflächen, die auch im Landschaftsschutzgebiet liegen, ist eine Sonderbaulandwidmung allerdings aus gutem Grund ausgeschlossen.

Wenn man die Nachwuchsakademie auf dem Gelände der Trabrennbahn also will, muss deshalb entweder das Landschaftsschutzgebiet auf dem Gelände der Trabrennbahn reduziert werden (etwa in der Größenordnung der derzeit schon bestehenden versiegelten bzw. verbauten Fläche) und an anderer Stelle ein entsprechender Ausgleich geschaffen werden (durch die, von der Stadt Salzburg seit mehr als 20 Jahren betriebene Erweiterung des Landschaftsschutzgebietes). Dies wurde von der Aufsichtsbehörde, Ressort Eisl, aber ausgeschlossen.

Die zweite Möglichkeit ist, sowohl im räumlichen Entwicklungskonzept, als auch in der Grünlanddeklaration „Sonderbestimmungen“ aufzunehmen, die die Red Bull Nachwuchsakademie „als wünschenswert, im Sinne der Stadtentwicklung“ deklarieren.

Nachdem die Nachwuchsakademie – wenn man sie für die Stadtentwicklung als wünschenswert einstufen kann – realistisch gesehen, nur auf diesem Gelände errichtet werden kann, ist eine derartige Sonderbestimmung, auch inhaltlich gesehen, grundsätzlich nicht unzulässig, davor jedenfalls aber ausreichend und konsequent zu diskutieren.

Demokratie / Bürgerbeteiligung

Nachdem gerade erst ein - in mehrerlei Hinsicht als historisch zu bezeichnender - Prozess abgeschlossen wurde, bei dem mit dem Vertragspartner „Grünlandinitiativen“, als Vertreter der Salzburger Bevölkerung, die Grünlanddeklaration-Neu vereinbart wurde, muss dieses Projekt, bzw. der damit verbundene Eingriff, mit diesen Verhandlungspartnern ausverhandelt werden. Und vom Ergebnis dieser Verhandlungen, wird auch wesentlich die Entscheidung, ob derartige Sonderbestimmungen aufgenommen werden, oder nicht, abhängen müssen.

Noch entscheidender ist allerdings, dass es zu einer intensiven und umfassenden Beteiligung der Bevölkerung kommt. Dies ist nicht nur aus demokratiepolitischen Überlegungen und aus den Vorgaben des Raumordnungsgesetzes, was die angemessene Einbindung der Bevölkerung betrifft, und des Nachhaltigkeitsprinzips ein Mindeststandard, sondern liegt gerade auch im Interesse von Red Bull.

Es ist ja auch völlig unangemessen, dass die Projekte dieses Konzerns, vor allem unter dem Motto „na ja, die kaufen sich halt alles“, diskutiert werden.

Red Bull hat mit seinen Projekten in Salzburg sicher auch sehr viel Positives zur Stadtentwicklung beigetragen (vgl. Hangar 7, Afro-Café, Carpe Diem, diverse, teilweise auch nicht publizierte, Sponsoringprojekte, wie die Paracelsus Medizinische Privatuniversität). Ein multinational erfolgreicher Konzern mit Sitz in Salzburg ist ja auch nicht gerade alltäglich und auch nicht etwas, wofür man sich unbedingt schämen müsste.

Warum Red Bull also die Chance, ein Projekt, das potentiell auch im Sinne des Allgemeinwohles als positiv gesehen werden kann, entsprechend zu präsentieren, den Menschen in Salzburg die Möglichkeit zu geben, darüber zu diskutieren, zu hinterfragen, auch anderer Meinung zu sein, aber letztlich auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, nicht nutzen will, ist mir ein Rätsel.

Man muss doch zumindest jenen, denen gesagt wurde, dass ihre Kleinparzelle nicht ins Bauland kommen kann, oder ihre „Gartenhütte“ im Kleingartengebiet nicht größer als 14 m2 sein darf, weil sie sonst der Landschaftsschutzverordnung und der Raumordnung widerspricht, erklären, warum dann der Nachbar 15.000 m2 Bruttogeschoßfläche für eine Sportnachwuchsakademie bauen darf und das nicht den Zielen der Landschaftsschutzverordnung und der Raumordnung widerspricht.

So einfach ist das ja auch nicht zu verstehen. Umso mehr, muss man es glaubhaft vermitteln können, es geht immerhin um das Prinzip „gleiches Recht für alle“.

Planungskultur

In der Stadt Salzburg gibt es spätestens seit der „Architekturreform“ unter Johannes Voggenhuber, das Prinzip, wonach Projekte, die allein schon auf Grund ihrer Größe, aber auch auf Grund ihrer Bedeutung für die Allgemeinheit, von besonderer Bedeutung sind, in Wettbewerbsverfahren abgewickelt werden sollen.

Es gibt dazu beispielsweise eine Vereinbarung mit der Architektenkammer und den gemeinnützigen Wohnbauträgern, sowie der Stadt Salzburg, wonach bereits ab einer Bruttogeschoßfläche von 3.000 m2, zumindest geladene Gutachterverfahren durchzuführen sind.

Daneben gibt es seit rund 10 Jahren das Bemühen, die Landschafts- und Freiraumplanung zu stärken, weil die Architektur eines Hauses zwar wichtig ist, aber die eigentliche Qualität im Wechselspiel mit dem Freiraum, insbesondere dem öffentlichen Freiraum, liegt.

Ich denke, sagen zu können, dass wir in den vergangenen 15 Jahren auch große private Investoren vom Mehrwert solcher Wettbewerbsverfahren überzeugen konnten und diese großteils hoch zufrieden mit den Ergebnissen sind (z.B. Europark, Pappas/Mercedes-Zentrale am Flughafen, Stadt:Werk:Lehen, Baumax Innsbrucker Bundesstraße, Porsche/VW-Zentrale plus Erweiterungsprojekt für die Informatiksparte, etc. etc.) und mittlerweile teilweise von sich aus Wettbewerbsverfahren vorschlagen.

Umso mehr muss dieses Prinzip für eine Einrichtung gelten, die für die Stadt Salzburg so bedeutend und eine Grundsatzentscheidung für die Stadtentwicklung ist, wie die Red Bull Nachwuchsakademie.

Es ist also zu fordern, dass die Red Bull Fußballakademie in einem kombinierten landschaftsplanerischen/architektonischen/städtebaulichen Wettbewerb erarbeitet und entschieden wird, und falls sie umgesetzt wird, höchsten Qualitätsstandards, auch im Sinne einer positiven Ökobilanz, inklusive klimaneutralem Energiekonzept, entspricht.

Freiraumkonzept

Dies in Übereinstimmung mit dem räumlichen Entwicklungskonzept der Stadt Salzburg, insbesondere den Aussagen zum „grünen Ring/Netz“ und den Analysen und Zielvorgaben zu den Stadtlandschaften, in diesem Fall zum Teilbereich „Erholungslandschaft Salzachseen“ (Stärkung der Erholungsfunktion, der Nutzung als Freizeit-, Sport- und Naherholungsgebiet und der Stärkung der ökologisch verträglichen Wegeverbindungen).

Die Akzeptanz in raumplanerischer, naturschutz- und freiraumfachlicher und vor allem auch demokratiepolitischer Hinsicht wird sich auch und vor allem beim Projekt einer Nachwuchsakademie auf dem Gelände der Trabrennbahn in Lieferung daran messen lassen müssen, ob daraus eine, zumindest Win-Win-Situation, für den Konzern Red Bull und die Entwicklungsziele der Stadt und ihrer Bevölkerung lukrieren lässt, oder nicht.

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