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Pflegeberatung

24.10.2007Soziales: SeniorInnen und Generationen

Pressegespräch mit: Sonja Schiff (Gerontologin und Gemeinderätin der Bürgerliste/DIE GRÜNEN in der Stadt) und Labg. Cyriak Schwaighofer (Landessprecher der GRÜNEN und Sozialsprecher der Grünen im Landtag).

"Pflegeberatung in Salzburg" – Was sie leisten wird. Und was sie leisten müsste.

Pflegeberatung: GRÜNE setzen auf "aufsuchende" Angebote Präventive Beratung auch für gesunde SeniorInnen – Case-and-care-Management als zentrale Anlaufstelle.

Vom Sozialressort über das Gemeinde- bis hin zum Familienressort – sie alle setzen derzeit auf "Pflegeberatung" in irgendeiner Form. Die Beratungsvielfalt ist groß, geht aber dennoch am Bedarf vorbei, wie Salzburgs GRÜNE meinen.

Ihre Forderung:

An die Stelle der mitunter verwirrenden Vielfalt solle ein zwischen allen Stellen koordiniertes Beratungsangebot treten, das 'aufsuchend' (!) und vor allem präventiv gestaltet sein muss! – wie Labg. Cyriak Schwaighofer (Gesundheitssprecher der GRÜNEN im Landtag) und Sonja Schiff (Gerontologin und Gemeinderätin der Bürgerliste/DIE GRÜNEN in der Stadt) bei einem gemeinsamen Pressegespräch erklärten.

Bunter Angebotsstrauß mit vielen Beratungsblüten

Der Strauß an Beratungsprojekten ist durchaus bunt: Zusätzlich zur bereits existierenden Pflegeberatung des Bundes will Sozial-Landesrätin Erika Scharer (SPÖ) im nächsten Jahr acht "Pflegeberater" anstellen.

Fast schon eine Überdosis an Beratungsideen verabreicht die Landesregierung dem Tennengau, hier propagiert Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) "Case-and-care-Management", während das ÖVP-Duo LHStv. Wilfried Haslauer und LR Doraja Eberle auf das Pilotprojekt "Seniorenberatung" setzt.

Für Pflegegeldbezieherinnen kann schon "der ganz normale Beratungsreigen" relativ intensiv ausfallen:

"Es gibt zahlreiche soziale Dienste, die Betreuung oder Pflege anbieten, es gibt zig Notruf-Nummern, es gibt viele Anläufe der Beratung pflegender Angehöriger", so Schiff. Aktuell "drohen" Pflegegeldbezieherinnen in Salzburg bis zu vier Hausbesuche durch vier Institutionen, wodurch sie mit vier verschiedenen AnsprechpartnerInnen konfrontiert sind:

  • Einstufung Pflegegeld durch Arzt
  • Hausbesuche Bundesministerium
  • Hausbesuche Landesregierung
  • Tennengau: SeniorenberaterInnen

In Salzburg fehle ein klares Konzept mit klaren AnsprechpartnerInnen, SeniorInnen und pflegende Familien "müssen sich durch das Versorgungssystem durchfragen", so der Vorwurf der Grünen Pflege-Expertin.

Prävention als Stiefkind der Sozialpolitik

In dieser Angebotsvielfalt kommen zwei zentrale Bereiche zu kurz, nämlich die Prävention und die Unterstützung der pflegenden Angehörigen.

"Die Pflegeprävention ist im Land Salzburg schlichtweg nicht vorhanden. Unterstützung und Beratung für Pflegebedürftige und Angehörige ist unflexibel, kommt zu spät, bietet nicht die notwendigen Lösungen und hat kein Konzept", kritisiert Schiff.

"Wir wissen, dass die Pflege und Betreuung alter Menschen in Seniorenheimen die kostenintensivste Variante der Altenpflege ist. Gleichzeitig wissen wir, dass Pflegeprävention sowie die Beratung und Stützung betreuender und pflegender Familien in hohem Maße geeignet ist, Pflegebedürftigkeit hinauszuzögern. Angesichts dieser Fakten ist es für mich unverständlich, dass solche Maßnahmen noch immer ein Stiefkind der Sozialpolitik sind", so Schiff.

Unter "präventiver Beratung" ist ein Gespräch zu verstehen, dass mit dem Senior, der Seniorin geführt wird, bevor der Betroffene zum Pflegefall geworden ist.

In Kopenhagen beispielsweise hat jede/r BürgerIn ab dem 75. Lebensjahr das Recht auf zwei aufsuchende Hausbesuche pro Jahr! "Bei diesen Hausbesuchen werden die Menschen zum Beispiel auf Sturzgefahren aufmerksam gemacht. Das hilft Unfälle und damit vorzeitige Pflegebedürftigkeit vermeiden", erläutert die Gerontologin.

Die "Beratungsprobleme":

  • Älter werdende Menschen verdrängen gerne das Thema „Betreuung- Pflege“ so lange sie fit sind, nach dem Motto: „Nur nicht die Situation herbeireden“.
  • Viele Senioren und deren Angehörige sind im Falle plötzlichen Betreuungsbedarfes nicht informiert und „wurschtln“ dahin.
  • Viele zu Hause lebende SeniorInnen und deren Angehörige haben Beratungsbedarf, ohne es zu wissen, wie das Projekt „Qualitätssicherung in der häuslichen Pflege“ des Bundesministeriums für Soziales und Konsumentenschutz gezeigt hat. Bei stichprobenartigen Hausbesuchen zu Hause lebender PflegegeldbezieherInnen stellte sich bei 75 Prozent der Familien ein Beratungsbedarf heraus.Meist ist dieser von den Familien nicht genannt worden, er wurde vielmehr erst von den Pflegepersonen erkannt und gedeckt. Ursache dafür ist, dass Senioren und deren Angehörige über Angebote und Möglichkeiten oft nicht Bescheid wissen und daher auch nicht danach fragen können.
  • Kostenintensiver "Drehtüreffekt". Bei der Entlassung aus dem Krankenhaus fehlt die Begleitung zu Hause. Das führt oft dazu, dass SeniorInnen wenige Tage später wieder von einer anderen Krankenhausstation aufgenommen werden müssen.

Was Beratung leisten kann – zwei Beispiele aus der Praxis

Beispiel 1: Im Alter plötzlich blind

Ein Ehepaar lebt im eigenen Haus im Pongau auf einem Berg. Die Gattin hatte nie einen Führerschein, der Gatte war für die Mobilität des Paares zuständig. Dann erblindete vor einem Jahr der Mann plötzlich aufgrund einer Erkrankung.

Das Paar ist nun bezüglich Einkauf und Erledigungen abhängig von Nachbarn und Bekannten. Der Mann fühlt sich unsicher, er kann außer Radiohören keiner Beschäftigung mehr nachgehen. Die Gattin ist der Situation gegenüber hilflos, wagt das haus nicht zu verlassen. Das Paar leidet an einer zunehmenden Isolation. Es besteht in Folge die Gefahr von zunehmender Pflegebedürftigkeit beider Personen. Vom Blinden- und Sehbehindertenverband Salzburg und seinen Leistungen haben sie noch nie gehört – diese Informationen gibt die beratende Krankenschwester.

Situation heute:

Das Paar ist Mitglied beim Blinden- und Sehbehindertenverband geworden. Über den Verband hilft jetzt jemand den Einkauf und die Erledigungen zu organisieren. Der blinde Mann wurde aufgeklärt über nützliche Hilfsmittel, die ihm helfen den Alltag besser zu bewältigen. Er ist mittlerweile begeisterter Hörer von Hörbüchern, die er vom Verband ausleihen kann. Außerdem wird das Paar regelmäßig von einem Zivildiener zu Veranstaltungen des Verbandes geholt und hat neue Freunde gefunden.

Beispiel 2 – Alt, manisch und depressiv

Ein Mann (75 Jahre) lebt alleine in seiner kleinen Wohnung in einem großen Wohnblock. Er ist psychisch krank, im letzten manischen Zustand kaufte er in Massen Gegenstände, Lebensmittel, Altwaren, die nun seit Monaten in der gesamten Wohnung lagern.

Seit einigen Wochen ist er sehr melancholisch, eine Depression droht. Er kommt kaum aus dem Haus, kann sich kaum mit Essen versorgen, trägt den Müll nicht mehr raus, der sich mittlerweile in der Wohnung türmt. Der Mann schämt sich für den Zustand der Wohnung und isoliert sich in Folge.

Beim Hausbesuch klagt er darüber, dass er keine Kraft mehr habe um die Wohnung zu aufzuräumen und nicht wisse wo er anfangen soll oder wo er Hilfe erhalten könnte.

Situation heute:

Ein sozialer Dienst hat in mühevoller Kleinarbeit gemeinsam mit dem Mann die Wohnung geräumt. Nun kommt 1x wöchtlich eine Haushilfe, drohende manische oder depressive Phasen werden rechtzeitig erkannt und es wird entgegen gesteuert. Mittlerweile geht der Mann wieder unter Menschen und hat Kontakt zu alten Bekannten aufgenommen.

Beratung wirkt

Konsequente Beratung für SeniorInnen, sowie Beratung und Unterstützung für pflegende Angehörige/ Familien könnte nach Ansicht der GRÜNEN helfen.

  • Betreuungs- und Pflegebedarf von Senioren zeitlich zu verzögern,
  • pflegende Angehörige in der Pflege/ Betreuung zu stärken und zu stützen,
  • den kostenintensiven Drehtüreffekt zu minimieren
  • und in Folge die Notwendigkeit eines Heimaufenthaltes zeitlich hinaus zu zögern.

Die Forderung der GRÜNEN:

"Regionales Case-und-Care-Management" beraten und begleiten

Für die GRÜNEN sind die diversen unterschiedlichen Stellen jetzt aufgerufen, sich endlich zu koordinieren. "Momentan verfolgen verschiedene Verantwortliche unterschiedliche Projekte. Jeder macht irgendwas, an einer gemeinsamen Vorgangsweise sind offensichtlich weder SPÖ noch ÖVP wirklich interessiert. Der Pflegebereich ist aber zu schade, um als Spielwiese für großkoalitionäre Profilierungsmissgunst missbraucht zu werden", meint GRÜNEN-Sprecher Schwaighofer.

Ginge es nach den GRÜNEN, würden die verschiedenen Interessen unter einem gemeinsamen Dach gebündelt und statt verschiedener Beratungsangebote ein koordiniertes Beratungszentrum geschaffen.

In einem solchen Zentrum für "Case-and-care-Mangement" wäre die optimale Betreuung durch einen Pool an Fachleuten garantiert: Ausgebildete Pflegekräfte mit Zusatzqualifikation gehörten ebenso dazu wie Ergotherapeuten, Psychologen und Sozialarbeiter aus der Region.

Schiff: "Im Zuge einer Pflegeberatung könnte sich beispielsweise herausstellen, dass ein Angehöriger vor dem Burn-out steht. In diesem Fall kann das Angebot gemacht werden, einen Psychologen beizuziehen", erläutert Schiff ein mögliches Beispiel. Besonders wichtig aber ist: Für die Betroffenen gäbe es nur noch einen einzigen Ansprechpartner, "es gibt ein Gesicht statt einer Nummer", betont die Gerontologin.

Diese unabhängig agierenden "Regionalen Case-und-Care-Management"-Zentren sollten folgende Schwerpunkte anbieten:

  • Pflegeprävention. Ab dem 75. Lebensjahr sollen die SalzburgerInnen Recht auf regelmäßige präventive aufsuchende Pflegeberatung haben. Die Hausbesuche werden von interdisziplinär ausgebildeten Fachleuten absolviert, die zugleich AnsprechpartnerInnen für spätere Kontakte sind. (Beispiel für ein solches Konzept ist Kopenhagen, wo BürgerInnen ab 75 zwei Mal jährlich Anspruch auf ein solches präventives Beratungsangebot haben)
  • Pflegeberatung. Dieses – kostenlose! – Beratungsangebot richtet sich an pflegebedürftige SeniorInnen und deren Familie und sollte ebenfalls "aufsuchend" konzipiert sein. Im Klartext: Sobald ein Antrag auf Pflegegeld gestellt wurde, werden die Pflegeberater von sich aus tätig.
  • Pflegebegleitung. Hier geht es um die optimale Begleitung bei der Entlassung aus dem Krankenhaus in die familiäre Pflege. Dieses Beratungsangebot richtet sich an die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen, sollte die Betroffenen einen Monat lang begleiten und ist kostenlos.

Einige Zahlen:

  • Bevölkerung gesamt Land Salzburg: 528.351
  • Menschen über 65 im Land Salzburg: 78.198
  • Menschen über 75 im Land Salzburg: 35.960
  • PflegegeldbezieherInnen: etwa 20.000, davon 16.600 Bundespflegegeld, 3.371 Landespflegegeld und LehrerInnen.

Betreuung durch Heime und Soziale Dienste:

  • Bettenkapazität Seniorenheime Salzburg: 5.000 (PflegegeldbezieherInnen)
  • 46 Prozent der Betroffenen können ihren Heimplatz selbst finanzieren, hier reichen Einkommen und Pflegegeld.
  • 2.782 Personen benötigen zusätzlich Unterstützung durch die Sozialhilfe
  • Durch Soziale Dienste betreute Haushalte im Jahr 2006: 2.800 pro Monat

Pflegende Angehörige:

    • 80 Prozent der PflegegeldbezieherInnen werden zu Hause betreut
    • 80 Prozent der pflegenden Angehörigen sind Frauen

Pflegekosten Salzburg lt. Sozialbericht 2006:

      • Stationäre Betreuung 46,8 Millionen Euro
      • Soziale Dienste: 16 Millionen Euro

Pflegekosten Österreich lt. Studie „Die Kosten der Pflege in Österreich“ Institut für Sozialpolitik der WU Wien (Schneider 2006)

      • Stationäre Betreuung: 1,32 Mrd. Euro
      • ambulante Betreuung 445 Mill. Euro
      • Wert der informellen Betreuung (Angehörige, Nachbarn): 2 bis 3 Mrd. Euro pro Jahr
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