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Staatsbrücke

10.10.2007Demokratie

Gedenktafel für Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene an der Staatsbrücke angebracht! Antrag der Bürgerliste nach zwei Jahren umgesetzt.

„Die Bereitschaft der Stadt Salzburg, sich der Aufarbeitung ihrer gesamten Geschichte (inklusive dem Nationalsozialismus) zu stellen, ist bei den verantwortlichen Politikern und Politikerinnen in letzter Zeit gestiegen“, stellt Mag. Ingeborg Haller von der Bürgerliste/Die Grünen in der Stadt, fest.

Nach den Aktivitäten der Bürgerliste rund um das Jahn-Denkmal, die Bücherverbrennung am Residenzplatz und der erfolgreichen Verlegung der „Stolpersteine“ zum Gedenken vertriebener Menschen in Salzburg im Sommer diese Jahres, ist die Anbringung einer von der Bürgerliste bereits 2005 geforderten Gedenktafel für Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene am Staatsbrückenkopf ein weitere Schritt der Stadt, Zeitgeschichte aufzuarbeiten.

Die 1877 errichtete Stahlbrücke über die Salzach war bereits 1940 so baufällig, dass ein Neubau der Brücke unumgänglich war. Die Staatsbrücke wie wir sie heute kennen, ist u. a. das Produkt der Arbeitskraft von zahllosen Kriegsgefangenen.

Im Februar 1941 wurde mit dem Bau begonnen, bereits im Winter 1941 wurde dem Arbeitskräftemangel mit Einsatz von Kriegsgefangenen begegnet. Die Anzahl der am Bau Beschäftigten wechselte ständig, meist waren fünfzig bis sechzig Kriegsgefangenen (Höchststand 1942: 93) eingesetzt. Mit dem Einsatz von Kriegsgefangenen verringerten sich auch die Arbeitskosten für die Baufirma.

Unter schwierigsten Bedingungen (Temperaturen bis zu -30 Grad, schlechter Unterkunft, mangelnde Verpflegung) mussten Kriegsgefangene aus Frankreich und in der Folge Sowjetrussland leben und arbeiten.

Die Brücke wurde im November 1944 für den Verkehr freigegeben. Die Feiern zur endgültigen Fertigstellung inkl. der Ufersammler fanden am 1. Juli 1949 statt. In der offiziellen Urkunde zur Einweihung der Brücke heißt es:“ In gemeinsamer Anstrengung haben Auftraggeber, Konstrukteure und opferbereite Arbeiter unter Nöten und Gefahren dieses Werk für die Heimat geschaffen“.

"Es war nun höchst an der Zeit, dieser falschen Interpretation die Wirklichkeit entgegenzustellen und das Bild der „opferbereiten Arbeiter“ für die „Heimat“ durch ein Gedenken an die zwangsverpflichteten französischen und sowjetischen Kriegsgefangenen auszuwechseln. Mit Anbringung einer Gedenktafel wurde ein notwendiger Schritt des Gedenkens an die Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen umgesetzt“, hält Ingeborg Haller abschließend fest.

Quellen:

  • Thomas Weidenholzer: „Kriegsgefangene, „Ostarbeiter“ und ausländische Arbeiter in Salzburg während der nationalsozialistischen Herrschaft“, Eine Erhebung von schriftlichen Quellen im Archiv der Stadt Salzburg.
  • Gene R. Sensenig, Fremdarbeit beim Bau der Dr. Todt-Brücke in der Gauhauptstadt Salzburg, in: Rudolf G. Ardelt und Hans Hautmann (Hrsg.), Arbeiterschaft und Nationalsozialismus in Österreich, Wien/Zürich 1990, S. 501 - 512)
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