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Wehrtürme

06.12.2005Soziales

Der wiederholte Versuch Obdachlose vom Kapuzinerberg zu vertreiben.

Die Geschichte des Lebensraumes am Rande der Gesellschaft. Wie geht die reiche Stadt Salzburg mit der sichtbaren Armut um?

Alle Jahre wieder wird über die „Wohn“-Situation einiger obdachloser Menschen am Kapuzinerberg öffentlich diskutiert.

Alle Jahre wieder hat diese Diskussion mehr oder weniger aggressiven Charakter – immer geht es aber eigentlich darum, dass das Bild einer bürgerlichen Idylle von manchen beim Sonntagsspaziergang über den Kapuzinerberg empfindlich gestört wird und die Not der „Anderen“ so deutlich sichtbar wird.

Anfang der 90er Jahre wurden die Türme mit dem Argument der Verschönerung vergittert. Die damaligen Bewohner wurden rücksichtslos vertrieben und ihr Hab und Gut samt Dokumente von der Stadt entsorgt.

Obwohl sie damals nicht nur ihren Unterschlupf, sondern auch ihre Identität verloren haben, kehrten die damaligen Bewohner, aus Mangel an Alternativen zurück. Jetzt hat sich die Diskussion erneut am Risikopotenzial Feuer im wahrsten Sinne des Wortes entfacht – gehen tut es aber eigentlich darum, dass für Menschen, die durch ihre Lebensgeschichte an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden, offenbar noch immer kein Platz ist in Salzburg.

Salzburg, die weltoffene, reiche Kulturstadt steht der Tatsache, dass die Armut immer weiter zu nimmt scheinbar teilnahmslos gegenüber.

Stadtrat Panosch meint vielmehr, dass es nicht notwendig sei, die Türme als Quartiere zu verwenden – über Möglichkeiten der Unterbringung nach der gewaltsamen Absiedlung schweigt er sich aus. Da der Wohnraum „freie Natur“ nach wie vor keine offizielle Meldestelle ist, wird es ihm auch schwer fallen, festzustellen, welche Obdachlosen, seit Jahrzehnten am Berg wohnen, um ihn deren Fall Gnade walten zu lassen.

Es geht doch wohl nicht um die Frage, ob sich die Stadt die Sanierung der Wehrtürme auf Dauer nicht leisten kann – vielmehr passen Menschen außerhalb der Gesellschaft nicht in das Hochglanz Image dieser Stadt.

„Auch in dieser reichen Stadt werden die Zeichen von Armut und Ausgrenzung immer stärker sichtbar – die betroffenen Menschen zu vertreiben, um das Bild zu kaschieren ist keine Lösung und bekämpft nicht die Ursache“, meint Sozialausschussvorsitzende Ulrike Saghi.

Solidarität und Verantwortung innerhalb einer Gesellschaft muss auch den Respekt vor den unterschiedlichen Formen der Lebensführung beinhalten.

Es hat noch nie Schwierigkeiten mit den „Berg-Bewohnern“ gegeben – lässt man sie in Ruhe ohne sie für Polemik zu benutzen, sind und bleiben sie ein Teil des Lebens auf dem Kapuzinerberg.

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