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Olympia 2014

23.03.2005Demokratie: Finanzen

„Olympia 2014 – Die Finanzen.“ Pressegespräch mit Willi Rehberg (Personenkomitee „Olympia-Bewerbung 2014“) und Dr. Helmut Hüttinger.

Olympia 2014:

Befürworter arbeiten mit Phantasiezahlen Angaben bei den Einnahmen wechseln laufend und differieren um rund eine halbe Milliarde Euro – Kritiker fordern Untersuchung über „wirtschaftliche Bedeutung von Olympia“ für Salzburg

„Die Kalkulation der Befürworter beruht offensichtlich auf reinen Phantasienzahlen und Wunschvorstellungen.“

Auf diesen Nenner bringt Bürgerlisten-Klubobmann Helmut Hüttinger die äußerst widersprüchlichen Aussagen der Olympia-Befürworter über die zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben beziehungsweise den angeblich zu lukrierenden Gewinn. Binnen weniger Tage wechseln die angegebenen Beträge um zig Millionen Euro.

„Das ist unseriös und hat mit der groß angekündigten ehrlichen Informationspolitik absolut nichts zu tun“, kritisiert Hüttinger.

Willi Rehberg vom Personenkomitee „Olympia-Bewerbung 2014“ fordert eine Untersuchung über die wirtschaftlichen Effekte von Olympischen Spielen in Salzburg.

Derzeit finden interessierte BürgerInnen in folgenden drei Dokumenten Kostenabschätzungen zum Thema „Olympische Winterspiele in Salzburg“:

  1. Bewerbungsdokument für „Salzburg 2010“
  2. Vorbereitungsdokument für „Salzburg 2014“
  3. Briefliche Auskunft des Österreichischen Olympischen Comitées an Willi Rehberg vom Personenkomitee „Olympia-Bewerbung 2014“

Die Unterschiede in den Papieren sind gravierend. Werden die Einnahmen beispielsweise für 2010 mit 672 Mill. Euro (901, Mill US-Dollar nach heutigem Kurs 1:1,34), so wächst dieser nicht unwesentliche Faktor nur 19 Monate später in der Kalkulation für 2014 plötzlich auf 1,25 Mrd. Euro an. Das ist fast das Doppelte!

Ähnlich unterschiedlich sind die Angaben, vergleicht man die Aussagen des ÖOC mit jenen, welche die Vorbereitungskomission für 2014 macht.

In den Unterlagen der Vorbereitungskommission werden die Einnahmen mit 1,258 Mrd. Euro angegeben (750 Mill. Euro an TV-Rechten und 160 Mill. Euro für das TOP-Sponsorprogramm sind hier inkludiert).

Heinz Jungwirth, der Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Comitées, beziffert in seinem Brief an Willi Rehberg (Personenkomitee „Olympia-Bewerbung 2014“) die TV-Rechte dagegen mit „700 bis 800 Mill. US-Dollar“ (umgerechnet 522 bis 597 Mill. Euro) und spricht davon, dass sich – alles zusammengerechnet - die „garantierten Einnahmen durchaus mit 1 Mrd. US-Dollar schätzen“ lassen. 1 Mrd. US-Dollar macht nach aktuellem Kurs 746 Mill. Euro aus.

Die Differenz zwischen den ÖOC-Angaben und jenen der 2014-Bewerbungskomission beläuft sich damit auf satte 512 Millionen Euro!

Für Rehberg ist es höchst an der Zeit, die Diskussion endlich anhand von Fakten zu führen: „Vorbildhaft hat das die Schweiz gelöst, wo sich die Berner Stadtpolitik vor der endgültigen Entscheidung über eine Bewerbung für 2010 eine Untersuchung erstellen ließ.“

Der Olympia-Kritiker ließ sich von der Firma Rütter und Partner, welche die damalige Studie in Zusammenarbeit mit dem Institut für Tourismuswirtschaft der Hochschule für Wirtschaft, Luzern, erstellt hat, ein Angebot für Salzburg erstellen. Demnach würde eine „Studie über die wirtschaftliche Bedeutung von Olympia 2014 für Salzburg“ 40.000 bis 50.000 Euro kosten.

Die Erstellung würde etwa drei Monate dauern und käme damit nach Ansicht Rehbergs „genau richtig, um dem Gemeinderat als Entscheidungsgrundlage für den Bewerbungsbeschluss zu dienen“.

Wie locker die Olympia-Betreiber mit dem finanziellen Risiko von Olympischen Spielen umgehen, zeigt sich für Hüttinger und Rehberg überdeutlich an den ständig wechselnden öffentlichen Aussagen der Befürworter:

„In den nächsten vier Jahren müssen insgesamt zwischen sieben bis acht Millionen Euro aufgebracht werden, erläuterte Sport- und Finanzreferent LHStv. Othmar Raus. Dabei sollten die öffentlichen Kosten so weit wie möglich herausgehalten werden.“(APA, 25. Jänner 2005)

„Ich werde mich persönlich bemühen, dass wir für diese Bewerbung möglichst keine Steuermittel einsetzen werden, also keine öffentlichen Gelder, denn in Zeiten wie diesen ist das Geld überall knapp, und ich bin überzeugt davon, es gibt viele Unternehmen, Institutionen, auch Privatpersonen im Bundesland Salzburg und in ganz Österreich, die sagen: Da will ich dabei sein, so eine Olympiaanleihe zum Beispiel will ich erwerben.“ (LHF Gabi Burgstaller am 25. Jänner 2005 im ORF)

„Das Land Salzburg wird bis 2007 im außerordentlichen Haushalt 1,2 Mill. Euro für die Olympia-Bewerbung reservieren. Im Stadt-Budget werden bis 2007 ebenfalls 1,2 Millionen Euro zur Verfügung stehen….

Zu den 2,4 Mill. Euro von Stadt und Land kommen noch 1,5 Mill. Euro von der Pongauer Olympia 2014 GmbH. die mehrheitlich von den Bergbahnen Zauchensee und Flachau gehalten wird. Weitere 3,1 Millionen Euro leisten der Bund und nationale Sponsoren.“(SPÖ-Pressedienst am 14. März 2005)

„Immerhin betragen allein die Gelder für die TV-Rechte 1,6 Mrd. Dollar.“ (Ernst Brandstätter, Direktor der Flachauer Bergbahnen, am 25. Jänner 2005 in den SN)

„Olympia bringt über eine Milliarde Euro an TV- und Sponsoreinnahmen.“(Aus dem ersten „OlympiJa“-Folder, präsentiert am 27. Jänner 2005)

„Insgesamt würden 1,6 Milliarden Dollar fremdes Geld nach Salzburg fließen.“ (SVZ zitiert ÖVP-Verkehrssprecher Wolfgang Saliger. 1. Februar 2005)

Leitner hat „Einnahmen von 1,25 Milliarden Euro kalkuliert“ und einen „Gewinn von 121 Millionen Euro errechnet“. (Der Standard, 11. Februar 2005)

„Der Ausrichter der Olympischen Winterspiele 2014 bekommt vom IOC mindestens 1,27 Mrd. Dollar.“ (Anmerkung: entspräche derzeit umgerechnet 947 Millionen Euro)(Die SVZ zitiert Gernot Leitner, Chef der Bewerbungskommission. 10. März 2005)

„Die Olympischen Spiele kosten den Bürger keinen Euro.“(Gernot Leitner, Chef der Bewerbungskommission, am 9. März 2005 in der APA)

„Die Spiele sind nicht gratis.“(SN zitieren Bürgermeister Heinz Schaden und AK-Direktor Gerhard Schmid. 10. März 2005)

Das Finanzierungsloch:

Legt man der Durchführung der Olympischen Spiele die Angaben des IOC zugrunde, dann tut sich zwischen den als „garantiert geschätzten“ Einnahmen von 746 Mill. Euro und den zu erwartenden Ausgaben ein riesiges Finanzierungsloch auf:

„Auf der Ausgabenseite sind Investitionen für Sportstätten und mindestens ein Olympisches Dorf zu tätigen und das wird im Jahr 2011 bis 2013 bestimmt 400 Millionen Euro kosten. Die Durchführung der Spiele wird mit 800 Millionen Euro beziffert. In Summe bringt allein das schon ein Defizit von 400 Millionen“, rechnet Rehberg vor.

Ein Defizit mit massiv wachsender Tendenz: „Auf der Ausgabenseite müssen noch die Kosten für die Sicherheit berücksichtigt werden: 7.000 bis 8.000 Beamte und Soldaten mit allem Gerät, dazu die Luftraumüberwachung für mindestens 3 Wochen.

Das alles ergibt nach heutigem Stand einen Fehlbetrag von 500 Millionen Euro, der von der öffentlichen Hand, also dem Steuerzahler zu übernehmen wäre“, betont Rehberg.

Die Kosten für Strassen, Bahnen, einen Hauptbahnhof und dergleichen mehr seien in dieser Verlustrechnung nicht enthalten, da diese auch ohne Olympia entstehen würden.

Finanzabteilung der Stadt verordnet radikalen Sparkurs:

„Die Angaben der Befürworter differieren oft um dreistellige Millionenbeträge. Als ob die tatsächlich zu erzielenden Einnahmen und anfallenden Kosten völlig nebensächlich wären. Dabei geht es für die Stadt Salzburg im Falle, dass die Phantasiezahlen nicht halten, um nicht mehr und nicht weniger als den finanziellen Ruin“, kritisiert Hüttinger.

Gerade angesichts der aktuellen Finanzsituation der Stadt sei ein derart fahrlässiger Umgang mit den Olympia-Zahlen verantwortungslos.

„Die Finanzabteilung der Stadt hat erst kürzlich für die kommenden drei Jahre einen Abgang in Höhe von mehr als 40 Mill. Euro prognostiziert und deshalb von der Politik einen radikalen Sparkurs gefordert“, so der Bürgerlisten-Klubobmann.

Die Verluste, die im Zusammenhang mit Olympia möglich sind, „betragen ein Vielfachen des gesamten Investitionshaushaltes der Stadt Salzburg“. Dieser belaufe sich heuer beispielsweise 48 Mill. Euro.

Burgstaller ignoriert Verluste der vergangenen Olympia-StädteAuch Willi Rehberg fühlt sich von den Olympia-Befürwortern - allen voran Landeshauptfrau Gabi Burgstaller – nicht wirklich über die drohenden Risken informiert.

Auf den Offenen Brief, den er in der vergangenen Woche an Burgstaller geschrieben hat, erhielt er die Antwort, dass Olympia „ein immer besseres Geschäft“ werde. Wörtlich hält die Landeshauptfrau fest: "Olympische Spiele bringen für den Veranstalter seit Jahren Gewinne."

Eine Aussage, die „keinesfalls stimmt“, wie Rehberg betont. „Wenn man in der Rechnung berücksichtigt, was die öffentliche Hand für Olympia aufwenden musste, konnte kein Veranstalter vergangener Spiele Gewinn ausweisen.

Athen hat fünf Milliarden Euro Verlust gemacht, Nagano muss noch viele Jahre Schulden abzahlen. In Salt Lake City ist nur deshalb etwas übrig geblieben, weil die US- Bundesregierung vorher mehr als 400 Millionen US-Dollar eingezahlt hat und in Turin fehlen schon heute, ein Jahr vor der feierlichen Eröffnung, zwischen 150 und 200 Millionen Euro.“

Vergangene Spiele hätten zwar oftmals gezeigt, dass die Einnahmen meistens höher als ursprünglich angenommen ausgefallen sind.

„Aber auch die Ausgaben sind gestiegen und das in größerem Umfang als die Einnahmen“, so Rehberg, der die Politik auffordert, die BürgerInnen nicht nur über die Chancen sondern auch die Risken einer Bewerbung zu infomieren.

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