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Olympia 2014

15.03.2005Demokratie

Die wirtschaftlichen Auswirkungen für Salzburg. Erfahrungen und Studien.

Pressegespräch mit Labg. Cyriak Schwaighofer (Landessprecher der GRÜNEN) Dr. Helmut Hüttinger (Klubobmann der Bürgerliste im Gemeinderat)

Olympia 2014: Einseitige Informationspolitik der Befürworter blendet Risiken völlig aus GRÜNE und Bürgerliste legen Studien vor: Keine langfristigen Effekte durch Olympia zu erwarten – „Finanzieller Hochseilakt mit hohem Absturzrisiko“

„Die Informationspolitik der Olympia-Befürworter ist einseitig und blendet die Risiken einer Bewerbung völlig aus.“ Diesen Vorwurf erheben Salzburgs GRÜNE und die Bürgerliste.

Den Bürgerinnen und Bürgern werde das Blaue vom Himmel versprochen, dabei würden internationale Untersuchungen und Erfahrungen klar das hohe finanzielle Risiko und die vergleichbar niedrigen wirtschaftspolitischen Effekte belegen.

„Olympische Spiele sind ein finanzieller Hochseilakt mit beträchtlichem Absturzrisiko“, so Bürgerlisten-Klubmann Helmut Hüttinger, und GRÜNEN-Landessprecher Cyriak Schwaighofer ergänzt: „Wenn die Politik verantwortungsvoll mit den Steuergeldern der Bürger und Bürgerinnen umgehen will, muss sie eigentlich die Finger vom Projekt Olympia lassen.“

GRÜNE und Bürgerliste sehen sich in ihrer Olympia-Skepsis auch durch zwei Untersuchungen zur Bewerbung 2010 bestätigt:

  1. „Ökonomische Auswirkungen der Olympischen Winterspiele 2010 in Salzburg“ von D. Grozea-Helmenstein, A. Kleissner (Auftraggeber: ÖOC), August 2002
  2. „Wirtschaftliche Bedeutung der Olympischen Winterspiele Berne 2010“ von „Heinz Rütter, Jürg Stettler, Antoine de Bary und Marc Amstutz“ (Auftraggeber: Kandidaturkomitee „Berne 2010“), April 2003

In der Salzburger Untersuchung werden die Erfahrungen der Winterspiele von Lillehammer (1994), Calgary (1988) und Albertville (1992) aufgelistet. Hier auszugsweise einige Details:

Lillehammer:

Für die Gesamtregion waren Spiele „eine Enttäuschung“ Zur touristischen Nachfrage heißt es: „Die Bereitschaft der Besucher, eine gewisse Distanz zwischen ihrer Unterkunft und den sportlichen Ereignissen in Kauf zu nehmen, war um einiges geringer als man ursprünglich angenommen hat. Für die Gesamtregion stellten die Spiele daher eine Enttäuschung dar.“

Der norwegische Katzenjammer hielt auch nach den Spielen an, stand doch die lokale Tourismusbranche „vor dem Problem einer gesunkenen Nachfrage bei einer gleichzeitig ausgeprägten Überkapazität. Die Prognosen, welche ein dynamisches Wachstum durch den positiven Imageeffekt voraussagten, wurden nicht erfüllt“, so die Studienautoren.

Die Erfahrungen in Lillehammer hätten weiters gezeigt, dass ein verbessertes Image gerade für die langfristige Entwicklung im Tourismus weit weniger wichtig ist als ein verbessertes Freizeitangebot: „Profitieren konnten vor allem jene Gemeinden, welche im Zuge der Spiele zu verbesserten Einrichtungen (z.B. Skiliften) kamen.“

Anderswo in der Region sei die Nachfrage dagegen vor, während und nach der Durchführung der Olympischen Winterspiele „überraschend stabil“ geblieben.

Und zum PR-Wert von Spielen: „Das große Medieninteresse hat zwar Bekanntheitsgrad und Image der Region um Lillehammer verbessert, allerdings scheinen diese beiden Faktoren alleine für eine Änderung der Reisegewohnheiten nicht auszureichen.“

Calgary:

Hohe Belegungsraten nicht wegen Olympia sondern wegen „außergewöhnlich hohem Wirtschaftswachstum“ In Calgary City nahm die Belegung der Gästezimmer zwar nach den Spielen um zehn bis 20 Prozent zu, doch war dafür den Studienautoren zufolge nicht Olympia verantwortlich: Der „einzige signifikante Faktor für die Erklärung der Belegungsraten“ war vielmehr „vor allem das außergewöhnlich hohe Wirtschaftswachstum in der Gastgeberprovinz Alberta“.

Albertville:

Olympia mit „geringer Wirkung“ auf Tourismus Auch im Falle Albertvilles stellen die Studienverfasser fest, dass die Olympischen Spiele nur „geringe Wirkung“ hatten und die erzielte Zunahme im Tourismus vor allem auf Faktoren wie eine erstarkte inländische Wirtschaft und bessere Schneeverhältnisse zurückzuführen war.

Französische Wirtschaftsexperten gingen sogar davon aus, “dass eine stagnierende Tourismusentwicklung in der Gastgewerberegion durch die Spiele nicht hätte beeinflusst werden können“.

Resümee der Studie für Salzburg: Langfristige Effekte sind nicht zu garantieren In ihrem Resümee gelangen die Studienverfasser zu der Erkenntnis:

„Die Erfahrungen zeigen, dass einmalige Events in einer Region nur wenig Wirkung zeigen und nur durch wiederholte Veranstaltungen ein anhaltender Effekt erzielt werden kann.“

Und: „In Summe gilt auch für Salzburg, dass langfristige Effekte für den Tourismus des Landes alleine durch die Olympischen Winterspiele nicht garantiert werden können, sondern es vielmehr darauf ankommt, die relative Position im Wettbewerb der Tourismusdestinationen ständig zu verbessern und in Infrastruktur und Angebot zu investieren.“

Schweizer Studie: keine Verbesserung der Wirtschaftsstruktur durch Olympia Sehr ausführlich werden die Risiken von Olympischen Spielen in der Schweizer Untersuchung behandelt.

Die Stadt Bern hatte seinerzeit Ambitionen für 2010 gezeigt, dann aber nach einer umfassenden Risikoabschätzung und einer negativen Volksabstimmung den Rückzug angetreten. Zum Thema „Arbeitsplätze heißt es dort beispielsweise: „Durch Berne 2010 werden zwar wirtschaftliche Impulse ausgelöst, es werden davon aber vor allem Branchen mit einer geringen Arbeitsproduktivität und einem teilweise hohen Ausländeranteil (namentlich Gastgewerbe, Detailhandel und teilweise Bauwirtschaft) profitieren.“

Und: „Dies trägt nicht zu einer Verbesserung der Wirtschaftsstruktur in die gewünschte Richtung bei (Förderung von innovativen und neuen wertschöpfungsstarken Bereichen).“

Die von den Schweizer Studienautoren formulierten Bedenken lassen sich nach Ansicht von GRÜNEN und Bürgerliste auf Salzburg umlegen: Auch in Salzburg würde im Bau- und Tourismusgewerbe zunehmend auf importierte Arbeitskräfte zurückgegriffen.

„Olympische Spielen heizen diese Entwicklung am Arbeitsmarkt weiter an und stellen keineswegs eine langfristige Lösung für unser Beschäftigungsproblem dar“, meint Schwaighofer.

Salzburg:

Plumpe Versprechungen statt differenzierter Analyse Der GRÜNEN-Chef würde sich von den Salzburger Befürwortern in puncto Olympia ein etwas differenzierte Analyse wünschen: „In Salzburg wird jedes Risiko ausgeblendet und einfach plump das arbeitsmarkt- und wirtschaftspolitische Paradies auf Erden versprochen.“

Wie bei Salzburg 2014 wurde übrigens auch bei Berne 2010 damit argumentiert, dass kaum neue Infrastruktur errichtet werden müsse. Die Schweizer Studienautoren sehen selbst das nicht unkritisch: „In Bezug auf die wirtschaftlichen Investitionen besteht bei Berne 2010 ein Zielkonflikt:

Die geringen Investitionen sind einerseits positiv in Bezug auf das geringe Risiko einer unrentable Nachnutzung. Andererseits generieren sie aber auch nur einen geringen langfristigen Folgenutzen in Bezug auf die Steigerung der Attraktivität eines Austragungsortes durch den Olympia-induzierten Ausbau und die Erneuerung der Tourismus- und Sportinfrastruktur.“

Noch einige Erkenntnisse der Schweizer Studienautoren.

  • Finanzen: „Auch bei dem an und für sich geringen finanziellen Engagement des Staates (hier wird auf das Berner Olympia-Budget Bezug genommen, Anm.) ist die Bindung der personellen und finanziellen Ressourcen der öffentlichen Hand über mehrere Jahre nicht zu unterschätzen. Diese Ressourcen fehlen für die Umsetzung der kantonalen Entwicklungsstrategie.“
  • Transport: „Das erhöhte Verkehrsaufkommen während der OS ist zwar relativ gut zu prognostizieren, hat aber in einer Olympiastadt und –region negative Effekte (längere Anfahrtszeiten, ökologische Effekte).“ Und: „Das Verkehrsverhalten der Zuschauer ist nur bedingt planbar.“
  • Nachhaltigkeit/Umwelt: „Olympische Winterspiele verursachen hohe Umweltbelastungen, insbesondere im Verkehrsbereich. (z.B. Energieverbrauch, Luftverschmutzung, Verkehrsprobleme, Bodenverbrauch, Beeinträchtigung der Landschaft etc.) Die ökologischen Auswirkungen sind nicht nachhaltig. Maßnahmen zur Reduktion der Umweltbelastungen erfordern große Ausgaben.“

Resümee von GRÜNEN und Bürgerliste:

  • Verschiedene Studien belegen klar, dass die Erwartungen an Olympische Spiele unrealistisch hoch und damit praktisch unerfüllbar sind.
  • Olympische Winterspiele haben in erster Linie kurzfristige positive wirtschaftliche Effekte, die langfristigen ökonomischen Effekte auf die Produktion und Beschäftigung sind dagegen marginal.
  • Am ehesten profitieren Tourismus und Baugewerbe, wobei wir es hier mit Niedriglohnbranchen zu tun haben, in denen jetzt schon durch Arbeitskräfte-Import massives Lohndumping betrieben wird.
  • Von Werbe- und Imageeffekten profitieren Austragungsorte in der Regel dann, wenn sie noch wenig bekannt und touristisch noch nicht entwickelt sind.
  • Die Erfahrungen vergangener Spiele zeigen, dass von der öffentlichen Hand beträchtliche Zuschüsse gefordert werden. Für Turin 2006 musste gerade ein Loch von 150 Millionen Euro gestopft werden.

Angesichts der vorliegenden Studien und Erfahrungen sei eine Austragung in Salzburg geradezu verantwortungslos, so GRÜNE und Bürgerliste.

„Den Salzburgerinnen und Salzburgern dürfen keine finanziellen Illusionen vorgegaukelt werden, vielmehr ist es hoch an der Zeit für eine seriöse Kalkulation. Die Menschen müssen wissen, welche Belastungen für sie mit Olympischen Spielen verbunden sind“, betont Hüttinger.

Und Schwaighofer abschließend: „Ein Land, das überall die Sparschraube anzieht, kann sich ein derart riskantes Projekt wie Olympische Spiele im Grunde nicht leisten.

Wenn sich der Arbeitsmarkt und die Wirtschaft in Salzburg in eine innovative und zugleich nachhaltige Richtung entwickeln sollen, werden wir unsere mageren Budgetmittel sehr sorgfältig einsetzen müssen. Für finanzielle Wagnisse ist da kein Spielraum mehr.“

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