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Kopfweiden

17.12.2003Natur und Umwelt: Naturschutz

Ausweitung des Geschützten Landschaftsteiles „Kopfweiden am Almkanal“. Geschützter Landschaftsteil wird mehr als verdoppelt. Österreichweit einzigartiger Bestand für die Zukunft gesichert.

Die Kopfweiden am rechten Almkanalufer zwischen Thumeggerstraße im Norden und der Praxmayer-Mühle im Süden wurden per Verordnung im Jahr 1995 unter Schutz gestellt.

Durch die fortschreitende Überalterung dieser Bäume mussten in den letzten Jahren einige gefällt werden. Derzeit stocken nur mehr 144 Exemplare. In einem ersten Schritt wurden deshalb im November 2003 zusätzlich 70 neue Kopfweiden gepflanzt.

Mit Kundmachung vom 1.12.2003 wurde nun der bisher Geschützte Landschaftsteil wesentlich erweitert und zwar im Norden von der Thumeggerstraße bis zum Donnenbergpark und im Süden von der Praxmayermühle bis zur Stefan-Ludwig-Rothstraße.

Damit steht der Almkanal einschließlich Begleitgrün vom Donnenbergpark bis zur Stefan-Ludwig-Rothstraße mit einer Gesamtlänge von ca. 2,7 Kilometer unter Schutz.

Kulturgeschichtliches:

Die Kopfweiden an der Alm, einem Werksgerinne, das in diesem Abschnitt seit dem Jahr 1168 betrieben wird, sind ein uraltes Kulturrelikt. Die ältesten Bilder von Kopfweiden an der Alm stammen aus der Zeit des Erzbischofs Paris Lodron, die ununterbrochene Tradition von Kopfweiden an der Alm ist aber kulturgeschichtlich vermutlich älter.

Durch ihre knorrige Form mit dem kopfförmigen oberen Stammende samt den abstehenden „Rutenhaaren“ besitzen viele Kopfweiden eine besonders eindrucksvolle Gestalt, die das Landschaftsbild an diesem beliebten Geh- und Radweg im Süden der Stadt Salzburg beleben.

Die Ruten der Kopfweiden dienten früher vor allem zum Flechten von Wänden, darunter auch die „Gefache“ der im Mittelalter vorherrschenden Fachwerkhäuser der Stadt Salzburg aber auch für Zäune und verschiedenste Arbeitsgeräte.

Die Länge und Größe dieses Bestandes ist österreichweit einzigartig. und auch im angrenzenden Bayern ist kein Gegenstück bekannt.

Naturschutz:

Durch die lange Tradition dieses Biotoptypes, die gute Besonnung und den regelmäßigen Schnitt besitzt der Lebensraum „Kopfweide“ auch eine besondere Bedeutung für viele Kleintiere, besonders für holzbewohnende Käfer.

Laut Käferexperte Dipl-Biol. Remigius Geiser konnten im und am Holz der erhaltenen alten Kopfweiden zumindest acht Käferarten als Relikte des einstigen alt- und totholzreichen Urwaldes überleben, die landesweit sonst gänzlich ausgestorben sind. Weitere 18, landesweit sehr selten gewordene, Käferarten konnten ebenfalls nachgewiesen werden.

Besonders zu erwähnen ist der Eremit, Osmoderma eremita, die größte heimische Käferart, die EU-rechtlich als prioritäre Art der FFH-Richtlinie streng geschützt ist.

Auch für die Vogelwelt sind die Weiden der Alm wichtig, etwa als Nahrungshabitat für Spechte und als Brutplatz von Stockenten, deren Name sich übrigens vom diesem früher typischen Brutplatz auf solchen Stockbäumen herleitet.

Im Rahmen des Pflegekonzeptes wurde auch begonnen, alte Kopfweiden mit Hilfe eines im Boden verankerten, unauffällig gefärbten Stahlrohres zu sichern, um einerseits eine denkbare Gefährdung von Passanten auszuschließen und andererseits den Lebensraum für die zu schützenden Tiere möglichst lange sicherzustellen.

Die weitere Zukunft:

Im Jahr 2004 werden weitere 70 Kopfweiden neu gepflanzt, ebenso wie im Jahr 2005, sodass nach Fertigstellung der Gesamtsanierung insgesamt ca. 350 Kopfweiden entlang dieses Bachverlauf auf einer Länge von fast 3 Kilometern stocken.

Die Kopfweiden werden, um das typische Erscheinungsbild zu erhalten, weiterhin regelmäßig alle 2 bis 3 Jahre geschnitten.

Mit der Ausweitung des Geschützten Landschaftsteiles und die bisher durchgeführten und in den nächsten Jahren geplanten Sanierungsmaßnahmen wird das für die Stadt Salzburg einmalig vorhandene Kulturgut „Kopfweiden am Almkanal“ als begehrter Naherholungsbereich für die Bevölkerung und als Lebensraum für seltene und geschützte Tierarten langfristig erhalten.

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