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Kopfweiden

25.11.2003Natur und Umwelt: Naturschutz

Neupflanzung von 70 Kopfweiden am Almkanal. Österreichweit einzigartigen Bestand für die Zukunft sichern. Pflanzarbeiten abgeschlossen.

Die Kopfweiden am rechten Almkanalufer zwischen Thumeggerstraße im Norden und der Praxmayer-Mühle im Süden wurden per Verordnung im Jahr 1995 unter Schutz gestellt.

Durch die fortschreitende Überalterung dieser Bäume mussten in den letzten Jahren einige gefällt werden und stocken derzeit nur mehr 144 Exemplare. In einem ersten Schritt werden nun 70 neue Kopfweiden gepflanzt um die Erhaltung dieses Kulturgutes sicherzustellen.

Kulturgeschichtliches:

Die Kopfweiden an der Alm, einem Werksgerinne, das in diesem Abschnitt seit dem Jahr 1168 betrieben wird, sind ein uraltes Kulturrelikt. Die ältesten Bilder von Kopfweiden an der Alm stammen aus der Zeit des Erzbischofs Paris Lodron, die ununterbrochene Tradition von Kopfweiden an der Alm ist aber kulturgeschichtlich vermutlich älter.

Durch ihre knorrige Form mit dem kopfförmigen oberen Stammende samt den abstehenden "Rutenhaaren" besitzen viele Kopfweiden eine besonders eindrucksvolle Gestalt, die das Landschaftsbild an diesem beliebten Geh- und Radweg im Süden der Stadt Salzburg beleben.

Die Ruten der Kopfweiden dienten früher vor allem zum Flechten von Wänden, darunter auch die "Gefache" der im Mittelalter vorherrschenden Fachwerkhäuser der Stadt Salzburg.

Wände von einfachen Hütten wurden sogar seit der Bronzezeit bevorzugt aus Weidengeflecht gewunden. Aus dem Rutenholz von Kopfweiden wurden früher auch Zäune und verschiedenste Arbeitsgeräte gefertigt, die früher zahlreichen Weinreben etwa am Südhang des Mönchs- und Festungsberg wurden damit aufgebunden, bei mehrjährigem Schnitt waren stärkere Rutenäste auch ein begehrtes Knüppelbrennholz.

In Stadt und Land Salzburg sind keine annähernd vergleichbaren Kopfweidenbestände erhalten. Durch die Länge und Größe ist der Bestand sogar österreichweit einzigartig. und auch im angrenzenden Bayern ist kein Gegenstück bekannt.

Der Erhalt und die Pflege der Kopfweiden an der Alm ist deshalb - gewissermaßen mit als Teil des Weltkulturerbes Stadt Salzburg - besonders bedeutsam.

Naturschutz:

Durch die lange Tradition dieses Biotoptypes, die gute Besonnung und den regelmäßigen Schnitt besitzt der Lebensraum "Kopfweide" auch eine überragende Bedeutung für viele Kleintiere, besonders für holzbewohnende Käfer.

Wie der bekannte Käferexperte Dipl-Biol. Remigius Geiser ausführt, konnten im und am Holz der erhaltenen alten Kopfweiden zumindest acht Käferarten als Relikte des einstigen alt- und totholzreichen Urwaldes überleben, die landesweit sonst gänzlich ausgestorben sind.

Weitere 18 Käferarten, die heute landesweit sehr selten geworden sind konnten ebenfalls nachgewiesen werden. Besonders zu erwähnen ist der Eremit, Osmoderma eremita, die größte heimische Käferart, die EU-rechtlich als prioritäre Art der FFH-Richtlinie streng geschützt ist.

Auch für die Vogelwelt sind die Weiden der Alm wichtig, etwa als Nahrungshabitat für Spechte und als Brutplatz von Stockenten, deren Name sich übrigens vom diesem früher typischen Brutplatz auf solchen Stockbäumen herleitet.

Im Rahmen des Pflegekonzeptes wurde auch begonnen, alte Kopfweiden mit Hilfe eines im Boden verankerten, unauffällig gefärbten Stahlrohres zu sichern, um einerseits eine denkbare Gefährdung von Passanten auszuschließen und andererseits den Lebensraum für die zu schützenden Tiere möglichst lange sicherzustellen.

Die Zukunft:

Voraussichtlich noch in diesem Jahr wird eine Ausweitung des Geschützten Landschaftsteiles "Kopfweiden am Almkanal" im Norden von der Thumeggerstraße bis zum Donnenbergpark und im Süden von der Praxmayermühle bis zur Stefan-Ludwig-Rothstraße vorgenommen und damit die Gesamtlänge von ca. 2,7 km auf 3,4 km erhöht.

Im Jahr 2004 sollen weitere 70 Kopfweiden neu gepflanzt werden, ebenso wie im Jahr 2005, sodass nach Fertigstellung der Gesamtsanierung insgesamt ca. 350 Kopfweiden entlang dieses Bachverlauf stocken werden. Die Kopfweiden werden, um das typische Erscheinungsbild zu erhalten, weiterhin regelmäßig alle 2 bis 3 Jahre geschnitten.

Mit diesen Sanierungsmaßnahmen wird das für die Stadt Salzburg einmalig vorhandene Kulturgut "Kopfweiden am Almkanal" als begehrter Erholungsbereich für die Bevölkerung und als Lebensraum für seltene und geschützte Tierarten langfristig erhalten.

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