RSS
f
Startseite > Presse > Gedenktafeln
Quadratisches Logo der Bürgerliste Salzburg mit HintergrundLogo Bürgerliste - Die Grünen in der Stadt

Gedenktafeln

05.07.2005Demokratie

Gedenktafeln an der Staatsbrücke und an den ehemaligen Kriegsgefangenenlagern in Salzburg.

Morgen im Gemeinderat:

Antrag der Bürgerliste: Gedenktafeln an der Staatsbrücke und an den ehemaligen Kriegsgefangenenlagern in Salzburg.

Die 1877 errichtete Stahlbrücke über die Salzach war bereits 1940 so baufällig, dass ein Neubau der Brücke unumgänglich war. Die Staatsbrücke wie wir sie heute kennen, ist u. a. das Produkt der Arbeitskraft von zahllosen Kriegsgefangenen.

Im Februar 1941 wurde mit dem Bau begonnen, bereits im Winter 1941 wurde dem Arbeitskräftemangel mit Einsatz von Kriegsgefangenen begegnet. Die Anzahl der am Bau Beschäftigten wechselte ständig, meist waren fünfzig bis sechzig Kriegsgefangenen (Höchststand 1942: 93) eingesetzt.

Mit dem Einsatz von Kriegsgefangenen verringerten sich auch die Arbeitskosten für die Baufirma.

Unter schwierigsten Bedingungen (Temperaturen bis zu -30 Grad, schlechter Unterkunft, mangelnde Verpflegung) mussten Kriegsgefangene aus Frankreich und in der Folge Sowjetrussland leben und arbeiten.

Die Brücke wurde im November 1944 für den Verkehr freigegeben. Die Feiern zur endgültigen Fertigstellung inkl. der Ufersammler fanden am 1. Juli 1949 statt. Die Salzburger Nachrichten vermeldeten dazu: „Arbeiter vieler Nationen haben unter Leitung österreichischer Ingenieure das Werk vollbracht“.

In der offiziellen Urkunde zur Einweihung der Brücke heißt es:“ In gemeinsamer Anstrengung haben Auftraggeber, Konstrukteure und opferbereite Arbeiter unter Nöten und Gefahren dieses Werk für die Heimat geschaffen“.

Kriegsgefangene waren allerdings nicht nur auf der Baustelle der Staatsbrücke eingesetzt. Die Rekrutierung von Arbeitskräften war spätestens seit 1942 zur kriegsentscheidenden Angelegenheit geworden.

Auch die Gauhauptstadt Salzburg unterhielt in Lehen am Paumannplatz (an der heutigen Alois-Stockinger-Straße bzw. an der Hans-Sachs-Gasse) und auf den Annahofgründen Kriegsgefangenenlager. Bemerkenswert daran ist, dass sich in den Budgets der Stadt Salzburg budgetierte Einnahmen und Ausgaben finden, wobei die Einnahmen aus den Lagern überwiegen!

Die Stadt selber hat auch Kriegsgefangenen beschäftigt, die von der Stadtverwaltung, meistens von der Bauverwaltung bei Bedarf angefordert und eingesetzt wurden. Eine größere Anzahl wurde bei den Stadtwerken sowie den städtischen Baustellen Schlachthof und Saalachwehr beschäftigt.

„Es ist heute höchst an der Zeit, dieser falschen Interpretation die Wirklichkeit entgegenzustellen und das Bild der „opferbereiten Arbeiter“ für die „Heimat“ durch ein Gedenken an die zwangsverpflichteten französischen und sowjetischen Kriegsgefangenen auszuwechseln“, meint Gemeinderätin Sonja Schiff.

Im Zusammenhang mit der begonnenen Sanierung der Staatsbrücke, dem Neubau der Bibliothek in Lehen und angesichts des Gedenkjahres ist nun der richtige Zeitpunkt gekommen, dass das offizielle Salzburg die Tatsachen in diesen Punkten richtig stellt, bzw. sich zu einem Gedenken bereit erklärt.

Die Bürgerliste wird daher in der Sitzung des Gemeinderates am 6.7.2005 den Antrag stellen, dass im Zusammenhang mit der Staatsbrückensanierung und dem Gedenkjahr, eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Kriegsgefangenen, die am Bau der Staatsbrücke beteiligt waren am rechten Staatsbrückenkopf angebracht wird und dass zur Erinnerung an die Kriegsgefangenenlager der Gauhauptstadt Salzburg an den ehemaligen Stätten dieser Lager (in Absprache mit dem Archiv der Stadt) Gedenktafeln angebracht werden.

(Quellen: Thomas Weidenholzer: „Kriegsgefangene, „Ostarbeiter“ und ausländische Arbeiter in Salzburg während der nationalsozialistischen Herrschaft“, Eine Erhebung von schriftlichen Quellen im Archiv der Stadt Salzburg. Gene R. Sensenig, Fremdarbeit beim Bau der Dr. Todt-Brücke in der Gauhauptstadt Salzburg, in: Rudolf G. Ardelt und Hans Hautmann (Hrsg.), Arbeiterschaft und Nationalsozialismus in Österreich, Wien/Zürich 1990, S. 501 - 512)

Logo FacebookLogo TwitterLogo Google Plus
Startseite > Presse > Gedenktafeln
RSS
f