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Pflegekräfte

23.06.2004Soziales: SeniorInnen und Generationen

„Pflegekräfte aus dem Osten – einfache Lösung oder drohendes Desaster?“

PRESSEGESPRÄCH mit Labg. Cyriak Schwaighofer und GR Sonja Schiff

Seit Jahren beklagen Krankenhäuser, Altenheime und mobile Hilfsdienste den Mangel an Pflegekräften. Nun scheint sich eine Entspannung der Situation abzuzeichnen: Schon in wenigen Wochen soll der österreichische Arbeitsmarkt für Pflegekräfte aus dem Osten geöffnet werden. Doch ist dieser Arbeitskräfteimport tatsächlich die Lösung oder beschert er neue Probleme?

Pflegekräfte aus dem Osten: Für GRÜNE „langfristig keine Lösung“ Labg. Schwaighofer: „Österreich wälzt seinen Pflegekräfte-bedarf an die neuen EU-Staaten ab“

BL-GR Schiff fürchtet Lohndumping und damit weiter sinkende Attraktivität des Pflegeberufes

Seit Jahren beklagen Krankenhäuser, Altenheime und mobile Hilfsdienste den Mangel an Pflegekräften. Nun scheint sich eine Entspannung der Situation abzuzeichnen: Schon in wenigen Wochen soll der österreichische Arbeitsmarkt für Pflegekräfte aus dem Osten geöffnet werden. Salzburgs GRÜNE beurteilen diesen Arbeitskräfteimport allerdings skeptisch.

Sie fürchten Lohndumping sowie sinkende Pflegestandards und kritisieren, dass sich Österreich die höchst notwendige Aufstockung seiner Pflegekräfte auf Kosten der neuen EU-Mitgliedsstaaten organisiert, anstatt endlich selbst auf die demographische Entwicklung zu reagieren.

„Mit dieser Maßnahme kapituliert die Sozial- und Arbeitsmarktpolitik vor den Herausforderungen der Zukunft“, erklärt der Sozialsprecher der Salzburger GRÜNEN, Labg. Cyriak Schwaighofer. Anstatt endlich die Gehälter und Arbeitsbedingungen im Pflegebereich so zu gestalten, dass dieser Beruf wieder attraktiv wird, wälze Österreich das Problem auf die neuen EU-Mitgliedsstaaten ab.

Akzeptabel wäre für den GRÜNEN-Sprecher der Arbeitskräfte-Import bestenfalls als „kurzfristige Übergangslösung“ zur Behebung des akuten Arbeitskräftemangels und auch „nur dann, wenn gleichzeitig endlich alle jene Maßnahmen gesetzt werden, die zur Verbesserung der Bedingungen im Pflegebereich notwendig sind“.

Pflegekräfte: Personelles Aushungern der neuen EU-Länder.

Langfristig könne das Hereinholen polnischer, ungarischer und tschechischer Pflegekräfte nicht die Lösung sein: „Österreich saugt damit ausgebildetes Pflegepersonal aus Ländern ab, die in Bälde selbst mehr Pflegepersonal brauchen“, warnt Bürgerlisten-Gemeinderätin Sonja Schiff.

Sie gibt zu bedenken: „Wir sind eine alternde Gesellschaft. Überall in Europa. Und diese alternde Gesellschaft braucht zunehmend mehr Pflegepersonal. Pflegepersonalmangel ist daher ein gesamteuropäisches Problem.“

Aufwertung der Pflegeberufe wird durch Lohndumping hintertrieben

Schiff, ihres Zeichens Expertin in Fragen der Altenpflege, fürchtet weiters, dass die Öffnung der Grenzen für Pflegepersonal aus den neuen EU-Staaten auf dem heimischen Arbeitsmarkt zu einem Lohndumping mit allen damit verbundenen Konsequenzen führen wird.

„Im Grunde wirkt Bartensteins Maßnahme der oft geforderten und höchst notwendigen Aufwertung der Pflegeberufe entgegen. Es besteht die Gefahr, dass der Pflegeberuf damit als immer noch unattraktiver betrachtet wird und das Interesse an Ausbildungen weiter sinkt.“

Integrations-Maßnahmen vermisst.

GRÜNEN-Sprecher Schwaighofer vermisst begleitende Integrations-Maßnahmen für die ausländischen Arbeitskräfte: „Wie sieht es aus mit Deutschkursen, sozialrechtlicher Absicherung, Pensionsansprüchen, Familienzusammenführung?“

Es sei zu befürchten, dass Bund und Länder nur am Import günstigerer Arbeitskräfte interessiert sind, sich aber ansonsten – wie oft genug bewiesen - wenig um die Befindlichkeiten der ausländischen MitbürgerInnen kümmern würden.

Hochbetagte kulturell überfordert.

Die Pflege-Expertin Schiff warnt außerdem davor, dass die alten Menschen „kulturell überfordert“ sein könnten: Individuelle Pflege, das Eingehen auf die Lebensgeschichte der alten Menschen werde immer wieder als Qualitätsstandard in der Altenpflege definiert.

„Diese Individualität braucht Pflegepersonen, die die Sprache und Dialekte der alten Menschen sprechen, die den historischen Kontext kennen, der alte Menschen geprägt hat.“ Zu viele Pflegepersonen der neuen EU-Staaten in Altenpflegeeinrichtungen würden da zu einer kulturellen Überforderung hochbetagter Menschen führen.

Das „Importieren“ von Pflegekräften sei langfristig keine Lösung, betonten Schiff und Schwaighofer unisono, um den Mangel zu beheben, müssten vielmehr seine Ursachen bekämpft werden: „Der Beruf der Pflegerin, des Pflegers ist vielfach deshalb nicht attraktiv, weil die Pflegenden durch die Rahmenbedingungen auf Dauer überfordert werden.

Unregelmäßige Arbeitszeiten, hohe physische und psychische Belastung, dazu geringes Sozialprestige und schlechte Bezahlung. Das sind die Gründe, warum vergleichsweise wenig Menschen bereit sind, in dieses Berufsfeld einzusteigen, und das müssen wir ändern!“ fordert der GRÜNEN-Sprecher.

„Pflegenotstand“ durch Versagen auf Landesebene.

Schuld daran, dass auch Salzburg zwar Pflegekräfte braucht, aber zu wenige findet, hat für den GRÜNEN-Sprecher denn auch erst in zweiter Linie die schwarz-blaue Bundesregierung: „Die meisten Regelungen im Pflegebereich sind Ländersache, und hier ist das Land Salzburg praktisch alles schuldig geblieben.“

Obwohl die demographische Entwicklung seit vielen Jahren bekannt sei, habe es die Landesregierung verabsäumt, entsprechende Maßnahmen in die Wege zu leiten: „Trotz entsprechender Vorstöße im Landtag gibt es bis heute kein tragfähiges Konzept, welches die Arbeitsbedingungen der Pflegenden verbessern würde.“

Kollektivvertrag „bitte warten“

Ähnlich verhalte es sich mit der Bezahlung, so Schwaighofer, der an das Auf und Ab rund um einen Kollektivvertrag für den Pflegebereich erinnert: „Vor der Wahl sprach sich die SPÖ noch dafür aus, dass das Land einen solchen Kollektivvertrag mitfinanziert, nach der Wahl war die gerechte Entlohnung der Pflegenden den Sozialdemokraten plötzlich zu teuer.“

Die „Unsumme“, an der das Zustandekommen des Vertrages laut Gewerkschaft derzeit scheitert, beläuft sich auf 6,3 Mill. Euro für zehn Jahre. „Es ist zu befürchten, dass der Import von günstigeren Pflegekräften das Zustandekommen eines Kollektivvertrages nicht gerade beschleunigt“, meint GRÜNEN-Sozialsprecher.

Die einzig wirkliche Lösung zur Behebung des Personalmangels in den Pflegeeinrichtungen liegt für die GRÜNEN in einer umfassenden Reform dieses Bereichs. Konkret fordern Salzburgs GRÜNE:

  • eine bundesweite Bildungsoffensive für Pflegeberufe
  • das vermehrte Ausbilden auch älterer ArbeitnehmerInnen (Wir brauchen in der Altenpflege Menschen mit Erfahrungen!)
  • Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und Strukturen
  • Investitionen in Fortbildungen

„Das Öffnen der Grenzen für Pflegepersonal aus den neuen EU-Staaten ist nichts anderes als ein Hoffen, dass andere Staaten für uns Personal ausbilden. Österreich muss es wert sein eigene Fachkräfte auszubilden!“ resümiert Schiff.

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