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Eduard Paul Tratz

25.01.2007Demokratie

Ein Ehrenbürger unserer Stadt:Eduard Paul Tratz (1888 – 1977) Antrag auf Aberkennung der Ehrenbürgerschaft.

„In freier Natur werden solche Krüppel oder Mißgeburten daher rücksichtslos ausgemerzt. Auch viele ursprüngliche Völkerstämme halten an dieser natürlichen Auslese fest. ….Nur der zivilisierte Mensch hat als Folge seiner naturfremd gewordenen Verweichlichung und anders gearteten Moralvorstellungen den klaren Blick für solche Härte gegen sich selbst eingebüßt.

Doch kann ein Volk nur dann gesund und kräftig bleiben, wenn es sich auch diesem Naturgesetz wenigstens in bedingtem Maße über Gefühlsregungen hinweg unterstellt.“

„Das Leben des einen setzt häufig den Tod des anderen voraus. So war es immer und so wird es immer sein; zumindest solange die Erde Leben zeugt. Aus diesem ewigen Naturgesetz heraus hat jedes Lebewesen um sein Dasein zu kämpfen, gleichgültig ob es Tier, Pflanze oder Mensch ist. Daher hat auch ein tüchtiger Mensch mehr Gegner als ein bedeutungsloser. Und wenn nicht, dann ist er eine Niete, die beseitigt werden muss.“

(Eduard Paul Tratz, 25.9.1888 – 5.1.1977, Gründer des Hauses der Natur, Ehrenbürger der Stadt Salzburg)

Der Gemeinderat der Landeshauptstadt Salzburg hat am 27.9.1963 mit einstimmigem Beschluss den damaligen Leiter des „Hauses der Natur“, Herrn Professor Dr.h.c. Eduard Paul Tratz zum Ehrenbürger der Landeshauptstadt Salzburg ernannt. In der Festsitzung schildert Bürgermeister Bäck den Werdegang des Würdenträgers:

„Geb. 1988 in Salzburg, Studium der Zoologie an der Universität Innsbruck, 1914 Gründung des ornithologischen Instituts in Salzburg, das der Grundstein für das 1924 eingerichtete Haus der Natur werden sollte; Ehrendoktorat der Universität Innsbruck im Jahr 1923, Verleihung des Professorentitels durch den Bundespräsidenten 1935.

Schließung des alten „Hauses der Natur“ 1956 wegen des Festspielhausneubaus und Leitung der Übersiedlung in das neue Haus, das 1959 eröffnet wurde.“

Und zwischen 1935 und 1956? Kein Wort der Erwähnung dessen, was Tratz in dieser Zeit getan hat. Als hätte es diese Zeit nie gegeben!

Der Salzburger Historiker Gert Kerschbaumer, der Salzburger ORF-Redakteur Gerald Lehner, der kanadische Historiker Michael Kater in Toronto und seine Kollegin Heather Pringle in Vancouver haben bemerkenswerte Details aus dem Leben und Wirken von Tratz recherchiert. Der Wiener Historiker Gottfried Fliedl hat zur Rolle des Hauses der Natur als Institut des SS-Ahnenerbes publiziert.

Die Rolle von Tratz wurde auch in der Ausstellung über die 400 Euthanasie-Opfer des NS-Regimes in Hallein thematisiert. Der damalige Landesrat (und jetzige Bundesminister) Erwin Buchinger forderte im Zusammenhang mit dieser Ausstellung, dass die Rolle von Tratz beim Thema „Euthanasie“ dargestellt werde. Geschehen ist bisher allerdings nichts.

Eduard Paul Tratz war nämlich nicht nur vielgepriesener Grün-der des Hauses der Natur.

Als SS-Hauptsturmführer erhielt Tratz 1942 den Totenkopfring und meldete sich 1944 freiwillig zur Waffen-SS. Er war Abteilungsleiter des Ahnerbes – einer vom Reichsführer-SS Heinrich Himmler begründeten pseudowissenschaftlichen Vereinigung und gehörte zum Beirat des Entomologischen Institutes des SS-Ahnenerbes im KZ Dachau.

Er war Träger des Blutordens und Kulturpreisträger der Gau-hauptstadt Salzburg im Jahre 1944, Gaujägermeister und Natur-schutzbeauftragter des Gaues Salzburg.

Zusammen mit dem Anatomen August Hirt, dem Entomologen Eduard May und anderen nahm er an „naturwissenschaftlichen Arbeitsbesprechungen“ des „Ahnerbes“ teil, bei denen Hirt über seine zahlreiche Versuche an Menschen, wie den Kampfstoffversuchen berichtete.

Darüber hinaus besuchte Tratz Mitarbeiter des „Instituts für wehrwissenschaftliche Zweckforschung“ des „Ahnenerbes“ auch in den Laboratorien, so im KZ Dachau und in Straßburg, und erstattete später Bericht an den Geschäftsführer des „Ahnenerbes“ Wolfram Sievers.

Die „Verdienste“ dieses engagierten NS-Parteimitglieds um die Naturkunde ergaben sich u. a. aus seinem Interesse an der „Erb- und Rassenkunde“ sowie seiner Einstellung zur „gesunden“ Volksseele.

„In freier Natur werden solche Krüppel oder Mißgeburten daher rücksichtslos ausgemerzt. Auch viele ursprüngliche Völkerstämme halten an dieser natürlichen Auslese fest. ….

Nur der zivilisierte Mensch hat als Folge seiner naturfremd gewordenen Verweichlichung und anders gearteten Moralvorstellungen den klaren Blick für solche Härte gegen sich selbst eingebüßt. Doch kann ein Volk nur dann gesund und kräftig bleiben, wenn es sich auch diesem Naturgesetz wenigstens in bedingtem Maße über Gefühlsregungen hinweg unterstellt.“

Die in diesem Zitat von Tratz deutlich zu erkennende Theorie zur „Rassenhygiene“ entsprach der von Adolf Hitler radikal eingeforderten Darstellung der Überlegenheit der arischen Ras-se.

Tratz organisierte das Haus der Natur als Forschungsstelle des SS-Ahnerbes und legte einen Schwerpunkt auf die „Zusammenfassung der Vererbungslehre und der Rassenhygiene“. Das „Ahnenerbe“ förderte seit Beginn des 2. Weltkrieges die medizinische und biologische Grundlagenforschung und deren Anwendung als wehrwissenschaftliche Zweckforschung.

Tratz wissenschaftliche Arbeiten lieferten damit auch die Grundlage für das „Euthanasie-Programm“ der NS, das zwischen 1933 und Kriegsende zur Ermordung von mehr als 200.000 „lebensunwerten“ Menschen führte.

All das wird dem Gemeinderat in seiner Festsitzung am 27.9.1963 nicht erzählt. Die dunklen Seiten von Tratz werden nicht einmal andeutungsweise erwähnt, gerade so, als hätte es diese Jahre nicht gegeben. Heute noch findet sich auf der of-fiziellen homepage der Stadt Salzburg nach wie vor folgender Eintrag:

Betreuungsgrab Prof. Eduard Paul Tratz

  • Prof. Eduard Tratz
  • 25.9.1888 - 5.1.1977
  • Gründer Haus der Natur
  • Betreuungsgrab der Gruppe 54 auf dem Kommunalfriedhof.

Eduard Tratz gründete 1924 aus privaten Sammlungen das Haus der Natur, dessen Direktor er wurde und das seit 1959 im ehem. Ursulinenkloster untergebracht ist. Er ist Verfasser von über 300 wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Publikationen.

Eine Forschungsstation an der Großglockner-Hochalpenstrasse, die erst 1989 zu Ehren von Tratz benannt worden war, musste nach wenigen Jahren nach öffentlichen Protesten in „Haus der Natur-Forschungsstation“ umbenannt werden.

Der Salzburger Gemeinderat kann nach § 73 (1) Salzburger Stadtrecht die Ernennung zum Ehrenbürger aberkennen, wenn sich der Ausgezeichnete der Ehrung unwürdig erwiesen hat. Angesichts der Rolle von Tratz im 3. Reich ist die Ehrenbürgerschaft abzuerkennen.

Die Bürgerliste wird daher in der Gemeinderatssitzung am 7.2.2007 den Antrag auf Aberkennung der Ehrenbürgerschaft von Eduard Paul Tratz einbringen. BL-Klubobmann Dr. Helmut Hüttinger dazu:

„Angesichts der mittlerweile bekannt gewordenen Details über die Rolle von Tratz ist Handlungsbedarf gegeben. Ich erwarte von den Mitgliedern des Gemeinderates und vor allem auch von der sozialdemokratischen Fraktion eine breite Unterstützung unseres Antrages und hoffe, dass Bürgermeister Schaden rasch einen entsprechenden Amtsbericht vorlegt.

62 Jahre nach Kriegsende ist es hoch an der Zeit, die Aufarbeitung unserer Vergangenheit und der unserer höchsten Würdenträger durchzuführen. Ein Ehrenbürger mit dieser Geschichte ist für die Stadt Salzburg mit Sicherheit nicht verantwortbar.“

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