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Winterquartier Mülln

02.04.2008Soziales

Service angenommen: Winterquartier Mülln hat sich bewährt. In der Stadt Salzburg muss niemand erfrieren: 49 Menschen nutzten das niederschwellige Angebot für insgesamt 685 Nächtigungen.

In einer gemeinsamen Pressekonferenz haben heute alle Fraktionen einhellig positive Bilanz über das im vergangenen Winter erstmals geöffnete Winterquartier Mülln für obdachlose Menschen gezogen.

Die Sozialausschussvorsitzende und Sozialsprecherin der Bürgerliste Ulrike Saghi bleibt aber auch weiterhin bei ihrer Forderung, dass dieses Winterquartier nur der erste Schritt in Richtung zu einer Einrichtung sein kann, die sowohl ein tagesstrukturierendes Angebot als auch Übernachtungsmöglichkeiten für obdachlose Menschen anbietet.

"Sowohl 2006 als auch 2007 habe ich mit Anträgen auf die Notwendigkeit einer zeitgerechten Planung für ein Winternotprogramm für obdachlose Menschen aufmerksam gemacht. Damals hat sich die Stadt mit dem Verweis auf bestehende Einrichtungen aus der Verantwortung gezogen.

Im vergangenen Winter konnte den obdachlosen Mitmenschen eine Einrichtung angeboten werden. Wie in anderen Großstädten wird damit allerdings nur gewährleistet, dass in unserer Stadt niemand erfrieren muss. Nach wie vor fehlt jedoch ein professionell geführtes Angebot für den Aufenthalt von Menschen ohne Unterkunft während des Tages, wie es beispielsweise die GRUFT in Wien anbietet.

Meine Forderung bleibt, wie in meinen Anträgen formuliert, eine Einrichtung, die neben einer Schlafmöglichkeit außerdem Essensausgabe, Sanitäranlagen, Waschmöglichkeiten, Kleiderausgabe, sozialarbeiterische Betreuung, medizinische Betreuung und Postadresse anbietet.

Diese Einrichtung ist dabei so niederschwellig wie möglich zu halten. Besonderes Augenmerk ist auf die Zunahme der Obdachlosigkeit bei Frauen zu legen. Ein zu erarbeitendes Betreuungskonzept muss hier ein geschlechtsspezifisches Angebot anbieten und im Budget für 2009 muss dementsprechende finanzielle Vorsorge getroffen werden" so die Sozialpolitikerin in ihrer heutigen Stellungnahme.

"Eine reiche Stadt wie Salzburg muss die Finanzierung einer so dringend benötigten Einrichtung gewährleisten können, alles andere wäre ein Armutszeugnis" so Ulrike Saghi zur Verpflichtung für der Gesellschaft für jene, die an deren Rand stehen.

Beim Winterquartier Mülln wurde bereits bewußt versucht, die andernorts üblichen Zugangsbeschränkungen für Obdachlose zu vermeiden. Dies wird als einer der Gründe für die gute Annahme des Angebots gedeutet.

Seit 31. März ist das Winterquartier in der Müllner Hauptstraße geschlossen. Es diente einzig dem Zweck, obdachlose Menschen in der kalten Jahreszeit über Nacht vor dem Erfrierungstod zu schützen.

Das ist gelungen. 49 verschiedene Personen nutzten das niederschwellige Angebot für insgesamt 685 Nächtigungen (Jänner: 181; Februar: 226; März: 278).

Durchschnittlich übernachteten in den genannten Monaten 7,5 Personen pro Nacht. Es waren - mit ganz wenigen Ausnahmen - ausschließlich Männer. Hunde wurden nur drei verzeichnet.

Akzeptanz fand das seit Weihnachten 2007 täglich von 18 bis 9 Uhr geöffnete Haus vor allem Dank seiner Freiheiten. So war etwa die Mitnahme von Hunden oder Alkohol erlaubt. Sozialarbeiterische Betreuung gab es keine. Auch keine Ausspeisung. Einzig Portier bzw. ÖWD-Mitarbeiter in Zivil kontrollierten die Einhaltung der Hausordnung.

80.000 € für Infrastruktur und Aufsicht

Die Bürgerliste hat bei den Budgetverhandlungen für 2008 die finanzielle Vorsorge für die Obdachloseneinrichtung angemeldet. Insgesamt wurden schließlich rund 80.000 € in die Adaptierung des Hauses, in Infrastruktur wie Matratzen oder Beißkörbe sowie in Reinigung und ÖWD-Aufsicht investiert.

Bei der heutigen Pressekonferenz hat der Bürgermeister insbesondere darauf hingewiesen, dass eine den fachspezifischen Organisationen (Soziale Arbeit GmbH, Neustart, Caritas) angebotene Betriebsführung von diesen wegen der bewusst freizügig gewählten Niederschwelligkeit des Konzepts abgelehnt worden war.

Dass die Stadt hier unprofessionell und zu sicherheitsriskant agiere, so der Vorwurf, habe sich aber ganz offensichtlich nicht bewahrheitet.

Zugehöriger Antrag

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