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Kapuzinerbergtunnel

23.06.2003Planung: Verkehr

Dammbruch für eine autogerechte Verkehrspolitik.

Einleitung:

Vorweg will ich als ressortführender Stadtrat festhalten, dass die positive Haltung der Fachabteilung zur Busgarage bzw. zum Busterminal im Kapuzinerberg auch von mir geteilt wird.

Die positiven Auswirkungen (Einsparung von Leerfahrten etc.) können sich allerdings nur dann voll entfalten wenn tatsächlich zum Terminal ein Garagenangebot existiert, dass zumindest den Regelbedarf in der Bustourismus-Saison abdeckt, so dass tatsächlich nur an Spitzentagen die Busparkplätze am Stadtrand mitverwendet werden müssen.

In wie weit das im Amtsbericht ebenfalls angesprochene Angebot an zusätzlichen Pkw-Stellplätzen lediglich für Dauerparker bereitgestellt werden soll oder auch als öffentlich bewirtschafteter Parkplatz für Kurzzeitparker will ich bis zum Vorliegen einer Untersuchung über die verkehrlichen Auswirkungen eines solchen Angebotes offen lassen.

Zum Kapuzinerbergtunnel selbst respektiere ich das Bemühen der Fachabteilung eine konstruktive und nicht von vornherein verneinende Haltung zu diesem Projekt zu formulieren, das in einem ? wenn auch vorsichtigen ? Amtsvorschlag gipfelt.Ich erkenne auch an, dass der Vorschlag zur weiteren Vorgangsweise einen transparenten Prozess zur Erarbeitung von Begleitmaßnahmen und deren langfristiger Sicherung beinhaltet, im Bemühen positive Auswirkungen des Tunnelprojektes insbesondere für den Innenstadtbereich zu erzielen und die Gefahren die mit diesem Projekt verbunden sind, möglichst zu minimieren.

Trotzdem muss ich im Sinne meiner Verantwortung für die Stadtentwicklung und damit für die Verkehrsplanung eine klar negative Haltung zu einem Kapuzinerbergtunnel für den motorisierten Individualverkehr einnehmen.

Begründung:

  • Nachhaltige Veränderung der Rahmenbedingungen für die Verkehrsinfrastruktur
  • Ein Straßentunnel durch den Kapuzinerberg verändert die Rahmenbedingungen für die Verkehrsinfrastruktur der Stadt Salzburg nachhaltig und unwiderruflich (niemand wird diesen Tunnel jemals wieder zusperren).

Im Gegensatz dazu können noch so gute Begleitmaßnahmen zur Sicherstellung der Entlastung des restlichen Stadtstraßennetzes relativ einfach wieder rückgängig gemacht oder verändert werden.

Durch den Tunnel entstehen beispielsweise freie Kapazitäten für den Kfz-Verkehr auf der Achse Linzer-Bundesstraße, Sterneckstraße, Fürbergstraße, Eberhard-Fugger-Straße, Richtung Aigner-Straße und Bürglsteinstraße bzw. umgekehrt.

Damit werden die Haupteinfalls- bzw. Ausfallsrouten Linzer-Bundesstraße und Wolfgangsee-Bundesstraße für Kfz-Lenker attraktiver, das Verkehrsaufkommen steigt.

Eine Drosselung dieses Effektes ist praktisch nur über kürzere Grünphasen bei den Ampelanlagen rund um das ZIB möglich. Die dadurch zu erwartenden Stauerscheinungen erhöhen den Druck auf die Entscheidungsträger diese Drosselung zu mildern oder zurückzunehmen, der Entlastungseffekt für die Eberhard-Fugger-Straße/Fürbergstraße geht verloren, die Verkehrsmenge durch dieses Stadtgebiet steigt insgesamt um jene Menge die vom Tunnel aufgenommen werden kann.

  • Die Verkehrsentwicklung durch einen Kapuzinerbergtunnel ist nur bedingt steuerbar, es entsteht eine Eigendynamik die weitere Verkehrsbauten nach sich zieht.

Die Einbindung des Tunnels in die (neuralgischen) Verkehrsknoten Franz-Rehrl-Platz und Rudolfs-Platz, verbunden mit einer wünschenswerten Neuorganisation des Verkehrs im Bereich Imbergstraße, Rudolfskai, Hanuschplatz und damit verbundener Verkehrsentlastung, führt zu Kapazitätseinbußen auf der Achse Franz-Rehrl-Platz, Nonntalerbrücke, Rudolfs-Platz.

Zu erwartende Rückstauerscheinungen in den Tunnel, insbesondere zu Verkehrspitzenzeiten, bringen ein Sicherheitsproblem und heizen die Diskussion über weitere Verkehrsbauten (Unterführungen Rudolfs-Platz, Franz-Rehrl-Platz, Verbreiterung Nonntalerbrücke etc.) entsprechend an.

Die mit solchen Bauwerken verbundene, steigende Attraktivität für den Individualverkehr wiederum erhöht die Gefahr einer Nord- Südtangente zwischen Autobahnknoten Nord und Süd.

Zu erwartende Rückstauerscheinungen im Bereich Alpenstraße, Nonntaler-Hauptstraße und ein entsprechender Druck auf die Ausweichrouten Hofhaymer-Allee, Fürstenallee, Sinnhubstraße bzw. Nussdorferstraße, Leopoldskronstraße, so wie Sternhofweg heizen die Diskussion einer Südtangente neu an.

Auch in diesem Punkt ist also die Gefahr einer insgesamt höheren Verkehrsmenge durch das Stadtgebiet, ausgelöst letztlich durch einen Kapuzinerbergtunnel, sehr groß.

  • Verkehrsentlastung durch Kapuzinerbergtunnel bescheiden

Ein Hauptargument für den Bau des Kapuzinerbergtunnels war immer die Entlastung der unter Verkehrslärm leidenden Bevölkerung der Wohngebiete Eberhard-Fugger-Straße/Fürbergstraße.

Im Gegensatz zu den bisher kolportierten Entlastungseffekten zwischen 50% und 70%, zeigt die vorliegende Verkehrsuntersuchung, dass je nach Szenario die Entlastungseffekte lediglich zwischen 10% und maximal 32% liegen werden. Das ist nicht unbedeutend, aber jedenfalls keine für den Menschen deutlich wahrnehmbare Entlastung.

Im Gegensatz dazu steht die geradezu explosionsartige Steigerung des Verkehrsaufkommens in den unmittelbaren Zulaufstrecken, die jedenfalls für das UKH, die Wohnhäuser in der Arenbergstraße und der oberen Vogelweiderstraße/Kapuzinerbergabhang massive zusätzliche Belastungen bringen wird.

  • Stadtgestaltung

Die Portale des Tunnels werden für das Orts- und Landschaftsbild eine erhebliche Belastung sein, in einem Umfeld, das mit den Abhängen des Kapuzinerberges, den historischen Befestigungsbauwerken und der historischen Arenbergstraßenbebauung von erheblicher Bedeutung für den baulichen und naturräumlichen Charakter der Stadt Salzburg ist.

    Diese Belastung kann durch eine entsprechend engagierte architektonische Gestaltung vermutlich gemildert werden, wird aber immer eine Belastung bleiben.

Dazu kommt, dass mit der vierspurigen Anbindung des Tunnels im Bereich Rehrl-Platz und den dort ebenfalls notwendigen Zufahrten für Rettungsfahrzeuge, für den allgemeinen Verkehr zum UKH und für die sonstige Erschließung ein mindestens siebenspuriges Straßenbauwerk entsteht, also eine 25 bis 30 m breite Asphaltschneise unterhalb von Kapuzinerbergabhang, historischer Arenbergstraßenbebauung und alten Befestigungsbauwerken.

Eine Belastung für Stadt- und Landschaftsbild, die kaum zu mildern ist, weil jede Gliederung dieses Straßenraumes zugleich auch eine noch massivere Ausdehnung bedeutet.

Am Rande sei erwähnt, dass der Kapuzinerbergtunnel schon das Ende für ein architektonisch und bezüglich der Nutzung hoch attraktives Projekt an dieser Stelle gebracht hat (Design Center von Fürst Development, Planung Architekt Perrault, Paris).

Kosten

Exakte Kostenschätzung für das Tunnelbauwerk liegt noch keine vor.

Es ist aber mit Kosten von jedenfalls ? 25 Mio. zu rechnen.

    Abgesehen von der verkehrspolitischen Grundsatzfrage, ob in Zeiten, in denen für den öffentlichen Verkehr eine Finanzierungslücke nach der anderen entsteht, ein derart hoher Betrag für den motorisierten Individualverkehr investiert werden soll sind auch Projekte wie das Verkehrsmanagement für den Salzburger Zentralraum (VERMAN) nicht ausfinanziert.

Dass dieses Projekt einen unvergleichbar höheren Vorteil für das gesamte Stadtstraßennetz und seine Zulaufstrecken sowohl für den öffentlichen Verkehr als auch für die anderen Verkehrsarten bringt, braucht nicht betont zu werden. Der Kosten-Nutzeneffekt eines Kapuzinerbergtunnels ist verglichen mit dem Kosten-Nutzeneffekt eines VERMAN-Projektes unvergleichbar gering.

Zusammenfassung:

Der geplante Straßentunnel durch den Kapuzinerberg ist ein Dammbruch für eine autogerechte Verkehrspolitik.

  • Er verändert die Rahmenbedingungen für die Verkehrsinfrastruktur der Stadt Salzburg nachhaltig und unwiderruflich,
  • wird die Verkehrsmenge durch das betroffene Stadtgebiet um jene Menge, die vom Tunnel aufgenommen werden kann, letztendlich erhöhen,
  • wird weitere Verkehrsbauten in den Zu- und Ablaufstrecken provozieren (Unterführung Rudolfsplatz, Verbreiterung Nonntaler Brücke usw.),
  • wird letztendlich keine Verkehrsentlastung im Wohngebiet Eberhard-Fugger- / Fürbergstraße bringen,
  • belastet das Orts- und Landschaftsbild an den Abhängen des Kapuzinerberges, besonders im historischen Bereich der Arenbergstraßenbebauung, durch die Einfahrtsbauwerke erheblich
  • und hat verglichen mit anderen, noch nicht ausfinanzierten Verkehrsprojekten, wie z.B. dem Projekt Verkehrsmanagement Zentralraum Salzburg, einen geringen Kosten-/Nutzeneffekt.

Aufgrund dieser Auswirkungen lehnt die Bürgerliste das Projekt Straßentunnel durch den Kapuzinerberg vehement ab.Auch ich als ressortführender Stadtrat habe dem Gemeinderat in meiner Ressortstellungnahme vom 18.6.2003 dringend empfohlen das Projekt Kapuzinerbergtunnel abzulehnen und nicht weiter zu verfolgen.

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