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''Problem-Ampeln''

18.04.2008Soziales: SeniorInnen und Generationen

Pressegespräch mit GR Sonja Schiff, Stadtrat Johann Padutsch und Christa Winter von den Grünen SeniorInnen.

Zu langsam für unsere Welt? oder: Wie „Problem-Ampeln“ älteren FußgängerInnen das Leben erschweren.

Der Anteil der zu Fuß zurückgelegten Wegstrecken nimmt mit dem Alter zu. Trotz der beständigen Zunahme älterer Menschen - im Jahr 2007 lebten in Salzburg 35.800 Menschen über 65 Jahren - wird in der Stadt Salzburg der Barrierefreiheit immer noch ungenügend Rechnung getragen.

Vor allem Ampeln mit zu kurzen Grünphasen erschweren älteren bewegungseingeschränkten FußgängerInnen das Leben. Sie müssen an vielen Fußgänger-Übergängen im wahrsten Sinne des Wortes über den Zebrastreifen hetzen.

Oder sind ältere FußgängerInnen einfach nur zu langsam für unsere Welt?

Mobil sein bedeutet sozial integriert sein

Mobil zu sein bedeutet seine täglichen Wege kostengünstig, zeitsparend und sicher zurücklegen zu können. Mobilität ist die Voraussetzung für soziale Integration und Teil unserer Lebensqualität.

Ältere legen die meisten ihrer Wege zu Fuß zurück. Das Gehen wird im Alter zum wichtigsten Verkehrsmittel. Je älter die Menschen sind, umso höher wird der Anteil der Wege, die sie zu Fuß zurücklegen.

So erledigen

  • 65-74 Jährige 45% ihrer Wege zu Fuß
  • 75-85 Jährige schon 55%
  • Über 85 Jährige gehen zu 68% zu Fuß

Eine Mobilitätsbefragung der Stadt Salzburg am Mobilitätstag des Salzburger Stadtbusses (BesucherInnen waren vornehmlich SeniorInnen) aus dem Jahr 2007 bestätigt dieses Bild: 81% der Befragten gaben an, dass sie täglich zu Fuß gehen und 39% benutzten zusätzlich täglich den Bus.

Erleben ältere Menschen in ihrer Mobilität Einschränkungen, weil die bauliche Umwelt nicht ausreichend barrierefrei gestaltet wird, führt dass zu einer Einschränkung des persönlichen Aktionsradius.

Es steigt die Wahrscheinlichkeit, dass SeniorInnen zu Hause bleiben, sich ihre alltäglichen Dinge erledigen lassen und sich gesellschaftlich isolieren. Gesellschaftliche Isolation wiederum erhöht das Risiko der Pflegebedürftigkeit.

Trotz der beständigen Zunahme älterer Menschen auch in der Stadt Salzburg - im Jahr 2007 lebten in Salzburg 35.800 Menschen über 65 Jahren - wird in der Stadt Salzburg der Barrierefreiheit immer noch ungenügend Rechnung getragen.

Hetzjagd über den Zebrastreifen

Christa Winter (Grüne SeniorInnen Salzburg): Ältere Menschen wollen mit ihren körperlichen Defiziten nicht auffallen. Einen Ampelübergang nicht rechtzeitig zu schaffen macht dieses Defizit jedoch sichtbar – das erleben ältere Menschen als entwürdigend.

Wie Studien immer wieder zeigen, erschweren vor allem Ampeln mit zu kurzen Grünphasen älteren bewegungseingeschränkten FußgängerInnen das Leben. Sie müssen an vielen Fußgänger-Übergängen im wahrsten Sinne des Wortes über den Zebrastreifen hetzen.

Wie die Mobilitätsumfrage 2007 ergeben hat, gibt es auch in Salzburg Fußgängerampeln, deren Grünphasen nicht ausreichen, um langsamen FüßgängerInnen (älteren Menschen, Menschen mit Behinderungen, Kindern) die Überquerung der Straße innerhalb der Grünphase zu ermöglichen. Gerade für ältere und oft leicht bis schwer sturzgefährdete FußgängerInnen, bedeutet das zu rasche Umschalten auf Rot eine unzumutbare Stresssituation.

Ältere Menschen wollen außerdem mit ihrem körperlichen Defizit niemanden behindern und sie wollen vor allem mit ihrem körperlichen Defizit nicht auffallen, es soll nicht sichtbar werden.

Mit zu kurzen Grünphasen an Ampel passiert aber genau das. Alten Menschen wird vermittelt: Du bist zu langsam für diese Welt. Und diese Botschaft ist entwürdigend.

Im Alter steigt das Unfallrisiko

GR Schiff: Fußgängerfreundliche Ampeln für alle kommen nicht nur älteren Menschen zu Gute, sondern auch Menschen mit Behinderungen und Kindern. Es wird das Sicherheitsgefühl aller erhöht.

Gemessen am Bevölkerungsanteil von 16% haben Menschen ab 65 Jahren ein erhöhtes Risiko im Straßenverkehr zu verunglücken - jede/r fünfte Verkehrstote in Österreich ist älter als 65 Jahre. Dabei ist das Risiko als ältere FußgängerIn zu verunglücken besonders hoch. So waren 33% der in den Jahren 2001-2005 tödlich verunglückten SeniorInnen zu Fuß unterwegs.

2x höher als für Jüngere ist das Risiko für ältere Menschen bei Unfällen als Gehende verletzt zu werden. 14 x höher ist das Risiko als Gehende getötet zu werden.

Der Verkehrsunfallstatistik 2006 des Kuratoriums für Verkehrssicherheit sind nachfolgende Zahlen zu entnehmen:

Im Jahr 2006 waren 23% aller verunglückten FußgängerInnen in Österreich älter als 64 Jahre, bei den tödlich verunglückten FußgängerInnen betrug der Anteil der Älteren 48%.

Die Zahlen für Salzburg im Jahr 2006:

Land Salzburg: 279 verunglückte FußgängerInnen, davon waren 58 Personen über 64 Jahre (22%), tödlich verunglückt waren 8 Personen über 64 Jahre (37,5%).

Stadt Salzburg 134 verunglückte FußgängerInnen, davon 24,6% älter als 64 Jahre, keine Angaben zu tödlich Verunglückten.

Sichere Ampelübergänge für alte Menschen – Fußgängerfreundlichkeit für alle

Für die Programmierung von Ampelanlagen orientieren sich die Verantwortlichen meist an den Richtlinien der Forschungsgesellschaft Straße und Verkehr (RVS). In den RVS ist konkret festgelegt:

„Fußgängergrünzeiten sollten zumindest so lange sein, wie langsamere Fußgänger (mit einer Geschwindigkeit von 1m/s) benötigen, um mindestens die Hälfte der zu querenden Strecke zurück zu legen“.

Das bedeutet, diese Richtlinien geben sogar vor, dass langsamere FußgängerInnen nicht während der Grünzeit die gesamte Streckenquerung schaffen sollen/ müssen – sondern nur die Hälfte.

Die oft genannte Tatsache, dass nach dem Ende der Grünphase die so genannte Räumphase folgt, ändert nichts daran. Denn weder weiß die Bevölkerung um diese Räumphase, noch ist die Signalisierung der Räumphase optisch von der echten Rotphase zu unterscheiden.

Viele Ältere reagieren auf das plötzliche Umschalten auf Rot mit Unsicherheit – „hetzend weitergehen oder zurückgehen“ ist die Frage – die Sturzgefahr und Unfallgefahr älterer Menschen wird dadurch erhöht.

Bereits eine Änderung dahingehend, dass die Grünzeitlänge der Ampel in Sekunden ident ist mit der Schutzweglänge in Metern, würde für alle Betroffenen die Situation massiv erleichtern.

Rechenbeispiel: Ampel mit 14 Metern

Die RVS gibt vor, dass ein gehbehinderter Mensch mit einer Gehgeschwindigkeit von 1m/s während der Grünphase die Hälfte der Querung geschafft haben muss. Die Grünzeit wird dementsprechend mit mindestens 7 Sekunden berechnet.

Würde man festlegen, dass der gehbehinderte Fußgänger während der Grünphase die gesamte Querung schaffen können muss, würde die Grünzeitlänge mit mindestens 14 Sekunden berechnet werden.

Die DIN 32981 (barrierefreie Fußgängerflächen) geht von einer Gehgeschwindigkeit von 80 Zentimetern/ Sekunde aus – das wären dann 1,25 Sekunden pro Meter und bei unserem Beispiel eine Grünzeitlänge von 17,5 Sekunden.

Zuständigkeiten für Ampelschaltungen

Stadtrat Padutsch: Als ersten Schritt zu einem sicheren Fußwegenetz werden alle Lichtsignalanlagen von der Stadtplanung überprüft und Optimierungsvorschläge ausgearbeitet. Für Umsetzung verantwortlich ist die Polizei und Stadtrat Dr. Panosch.

Ampelanlagen können zwar durch Bescheid der Verkehrsrechts-behörde vorgeschrieben werden. Die Zuständigkeit für die einzelnen Phasen der Ampelschaltungen im Detail, liegt aber bei der Polizei. Die Umsetzung erfolgt durch das städtische Maschinenamt im Ressortbereich von Stadtrat Dr. Panosch.

Um die hohen Verkehrsdichten im Stadtgebiet halbwegs bewältigen zu können, wird aus verständlichen Gründen meist versucht den Fahrverkehr zu optimieren. Dies bedeutet manchmal für die Fußgänger längere Wartezeiten und minimierte Grünphasen. Damit sinkt aber die Attraktivität für das Zu-Fuß-Gehen stark. Hier ist ein Umdenken erforderlich.

Dieses hat auch teilweise schon eingesetzt. So wurde zum Beispiel bereits vor mehreren Jahren die Ampelanlage am Herbert-von-Karajanplatz/Pferdeschwemme auf „Allseitsgrün“ geschaltet, die Grünphasen für Fußgänger entscheidend verlängert und die damit stark frequentierte Fußwegachse wesentlich verbessert.

Diese Lösung kann als Musterbeispiel für viele andere, lichtsignalgeregelte Kreuzungen mit höherem Fußgängeraufkommen dienen.

Im Zuge der Bearbeitung des gesamtstädtischen Fußwegenetzes durch die Stadtplanung – analog zum bereits umgesetzten und mehrfach gelobten Radwegenetz – sollen nicht nur Fußgänger-Routen ausgewiesen, Unfallhäufungsstellen beseitigt und attraktive, flächenhafte Fußgängerbereiche geschaffen, sondern auch die Grünphasen bei lichtsignalgeregelten Schutzwegen im Hinblick auf ihre Fußgängerfreundlichkeit überprüft werden.

Als vorgezogene Maßnahme und ersten Schritt zu einem sicheren und attraktiven Fußwegenetz der Stadt Salzburg mit entsprechendem „Mehrwert“ für bewegungseingeschränkte Menschen, werden nunmehr alle Lichtsignalanlagen konsequent von der Stadtplanung überprüft und Optimierungsvorschläge ausgearbeitet.

Dafür möchte ich eine Initiative setzen und vor allem die Polizei gewinnen, die beim Karajanplatz eine treibende Kraft war.

FORDERUNG der Bürgerliste:

In Anbetracht der demografischen Entwicklung in der Stadt Salzburg sind Ampelübergänge so zu gestalten, dass langsamere FußgängerInnen (mit einer Geschwindigkeit von 1m/s) die gesamte zu querende Strecke während der Grünphase zurücklegen können – also eine Grünphasenlänge von 1 Sekunde pro Meter Schutzweg.

Kurzfristig sind alle Ampelübergänge zu überprüfen und umzustellen, die in der Nähe von Krankenhäusern oder Seniorenheimen liegen. Mittelfristig sind alle Ampeln umzustellen in Stadtteilen mit einem hohen Anteil an älterer Bevölkerung bzw. solche, die von der Bevölkerung als Problemampel genannt werden.

Aufruf an die Bevölkerung: Um die für die Bevölkerung am meisten problematischen Ampelübergänge zu identifizieren fordert GR Schiff die Bevölkerung auf, ihr „Problemampeln“ zu melden.

Rufen Sie 0699-120 145 08 und melden Sie Ihre Problemampel.

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