RSS
f
Quadratisches Logo der Bürgerliste Salzburg mit HintergrundLogo Bürgerliste - Die Grünen in der Stadt

Olympia 2010

21.01.2003  /  Kultur: Sport

„In the long run we are all dead“ meinte der britische Ökonom John Maynard Keynes (1883 - 1946) über langfristige Wirtschaftsprognosen.

Der Pressesprecher des Salzburger Olympiabüros, Michael Schuen drückt es prosaischer aus: „Jedem Unternehmen, das heute seine Einnahmen für das Jahr 2010 vorlegen kann, würde ich gratulieren.'' (SN 28.11.02)

Das gilt wohl auch für die Einnahmenschätzungen der Salzburger Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2010. Als der Salzburger Gemeinderat im Mai 2001 mehrheitlich die Bewerbung beschloss, wurden die Einnahmen auf € 697 Millionen geschätzt.

19 Monate später und nach heftiger Kritik vor allem seitens der Bürgerliste waren die Einnahmen plötzlich mit € 901 Mio, also mehr als € 200 Mio (oder rd. 2,8 Milliarden Schilling) höher angesetzt.

Hatte sich bei den Rahmenbedingungen etwas geändert, waren vielleicht schon Verträge über Fernsehrechte oder TOP-Sponsoren ausverhandelt?

Nichts davon! Statt dessen wurden Schätzungen, die im ursprünglichen Budget als seriös dargestellt worden waren, nach oben korrigiert. Sponsoren sollen statt geplanten € 200 Mio jetzt € 285 Mio beitragen. Für Tickets sollen nun € 115 Mio erzielt werden, 2001 waren noch 1, 5 Millionen verkaufte Eintrittskarten a´ATS 300,-- und damit lediglich € 33 Millionen geplant!

Mit diesen und anderen wundersamen Geldvermehrungen gelingt nun auch ein ausgeglichenes Budget.

Und wer trägt das Risiko, wenn doch nicht alles so klappt wie vorgesehen? Erraten, die Stadt Salzburg.

Das Land hat die ursprünglich vorgesehene Haftung abgelehnt und auch vom Bund ist nur eine vage Absichtserklärung des Bundeskanzlers und der Noch-Vizekanzlerin „bei unvorhergesehenen Zahlungen an einer adäquaten Lösung mitwirken zu wollen“ geschickt worden.

Egal, der Salzburger Olympiamehrheit im Gemeinderat war es genug.

Der Geschäftsführer der Olympiagesellschaft Dr. Kaspar hat im Gemeinderat das Risiko der Durchführung von Olympia 2010 mit 20 % des Budgets beziffert.

Das entspricht 180 Millionen Euro und damit etwa dem 6-fachen dessen, was Salzburg jährlich insgesamt für Straßen, Kanäle, Schulen, Kindergärten, Seniorenheime, öffentlichen Verkehr investiert.

Der worst case würde daher bedeuten, dass die Stadt auf viele Jahre völlig bankrott ist, ein Schicksal, das sie dann mit dem ehemaligen Olympiaort Nagano teilen würde.

Die Erfahrungen Salzburgs bei der Abwicklung von Großprojekten lassen Schlimmstes befürchten. Ob es der Bahnhofsvorplatz, das Kongresshaus, das Stadion Kleßheim, das faszinierende Projekt des Hollein-Museums im Mönchsberg oder der erbärmliche Bauzustand der international renommierten Kunstuniversität Mozarteum sind, eines haben alle diese Projekte gemeinsam:

Verzögerungen, Verteuerungen, unzureichende Kooperation zwischen Stadt, Land und Bund und traurige Ergebnisse. Und mit diesen Voraussetzungen und den dabei Verantwortlichen soll die größte Veranstaltung, die es je in Österreich gab, erfolgreich abgewickelt werden? Man muss wohl nicht ein besonderer Skeptiker sein, um daran zu zweifeln.

Welche Auswirkungen und Impulse die Durchführung der Olympischen Winterspiele 2010 für Salzburg bringen soll, wurde vor Abgabe des Bewerbungsdokumentes nicht geklärt.

Die Schweiz, die sich ursprünglich mit Bern ebenfalls für Olympia 2010 beworben hatte, die Bewerbung allerdings nach einer negativen Volksbefragung im vergangenen Jahr zurück zog, hatte in einer Untersuchung des Instituts für Tourismuswirtschaft der Wirtschaftsuniversität Luzern die wirtschaftliche Bedeutung der Olympischen Spiele geprüft.

Die Studie kommt zum Ergebnis, dass „die Durchführung der Olympischen Winterspiele Berne 2010 mit hohen, zum heutigen Zeitpunkt nur schwer abschätzbaren Risiken verbunden ist. Die Risiken betreffen in erster Linie die budgetierten Einnahmen und Ausgaben sowie die langfristigen Werbewirkungen und das Image von Berne 2010.

Viele Risiken sind durch die Organisatoren nicht oder nur beschränkt beeinflussbar. Die Erwartungen sind in der Regel zu hoch und werden daher nicht erfüllt.“

Salzburg ist anders! Ob der Wintertourismus angesichts des Klimawandels als Patentlösung ein Mega-Event wie Olympia braucht, wieviel Natur, Umwelt und Bevölkerung in einem sensiblen Alpenraum überhaupt noch zugemutet werden kann oder ob Salzburg nicht gut daran täte, seine frühere Vorrangstellung als Wirtschaftsstandort, Kultur- und Bildungszentrum wieder zu erlangen, wurde in der Euphorie nicht einmal diskutiert. Die Titanic ist vom Stapel gelaufen, das Orchester spielt!

[ Link nicht mehr aktuell ->]http://www.salzburg.com/sn/02/12/10/artikel/373242.html >


Logo FacebookLogo TwitterLogo Google Plus