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Bettelverbot? Niemals! Rede von GR Zuckerstätter im Gemeinderat vom 20.3.2013

20.05.2015Soziales

In der Gemeinderatssitzung vom 20. März 2013 hielt SPÖ-Gemeinderat Gerhard Zuckerstätter eine bewegende Rede gegen das Bettelverbot. Hier der Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, hoher Gemeinderat. Liebe junge Menschen, die uns bei diesem heutigen Tagesordnungspunkt  und bei dem heutigen Tag besucht haben. Eigentlich müsste ich hier heroben in Stille verharren und ganz kurz nur den Menschen hier im Gemeinderat mitteilen: Wir sind eine Menschenrechtsstadt. Schauen sie sich das an. Gehen Sie mit den Menschen, die in unserer Stadt sind, so um, wie wir das beschlossen haben. Gehen Sie in sich und denken Sie darüber nach, dass in dieser Stadt auch ein Denkmal sich befindet, am Ignaz Rieder Kai, wo wir jedes Jahr gedenken – der Menschen, die bei uns deportiert wurden, die nicht erwünscht waren, da hat es in Maxglan ein Auffanglager gegeben. Weil wenn wir über das Bettelverbot sprechen, dann sprechen wir über Menschen und im Speziellen sprechen wir hier über eine Personengruppe. Nennen wir es beim Namen, es geht um Roma und Sintis, die aus Rumänien, aus Bulgarien kommen, weil sie dort ein schlichtweg menschenunwürdiges Dasein fristen, wo die Familienväter und die Kinder, die Mütter und die Großeltern auf Müllhalden leben, wo die Perspektive so ausschaut, dass sie dort nur verhungern und schlichtweg um ihr Leben kämpfen. Drum kommen sie zu uns. Das ist halt einmal so, dass in Europa die Freizügigkeit möglich ist. Ich habe darüber keine Angst. Ich hab deswegen keine Angst, weil es ganz klar im Menschlichen Verhalten drinnen ist. Warum soll ich denn bitte wo leben, wo ich mit meiner Familie verhungere? Was soll ich dort? Soll ich dort warten, bis ich dort schlichtweg – ja, weiß ich nicht – mich selber dann in den Friedhof entsorge? Dann gehe ich natürlich auf Wanderschaft. Das sind wir Menschen! Auch wir würden es machen! Und erinnert euch bitte – das hat mir meine Mutter erzählt: Nach dem tausendjährigen Reich ist sie auch auf Wanderschaft gegangen. Ist sie bitte von Salzburg bis in die Heimatgemeinde Thalgau und in diesen Bereich zu Fuß gegangen, um für uns Nahrungsmittel zu bekommen. Das heißt: Sie hat dort auch gebettelt. Und sie hat dort auch geschaut, um die Familie zu sorgen

Ich danke dir liebe Dagmar. Ich bin dringesessen und habe dir zugehört und ich denke mir: Ich bin genau in der richtigen Fraktion, weil ich weiß, deine Worte sind die Worte vom Bürgermeister bis in unseren kleinsten Bereich der Sozialdemokratischen Bewegung. Und das gefällt mir. Und da möchte ich hier heraußen einmal wirklich applaudieren.

Es ist so. Ob  Dir, lieber Fuchs, das gefällt oder nicht, ist mir persönlich völlig wurst. Ist auch eine Werbung. Ich gehöre halt zu dieser Fraktion dazu. Und dazu kommt noch, und das wird dich jetzt wundern: Ich bin ein christlicher Mensch. Und ich bekenne mich zur katholischen Kirche. Und wenn ich mir die neue Botschaft aus dem Vatikan genau anschaue – der heilige Franziskus – und da hat jemand den Namen gewählt. Und ich nehme an: Ihr von der ÖVP wisst schon noch, wer der Franziskus war und was der für diese Bereiche, was der für die Menschen gemacht hat. Ich darf euch daran erinnern, an das Christliche Wort: Und das Geringste, was ihr dem Menschen tut, das tut für euch und eurer Seelenheil. Das heißt: Jede Verdrängung von Menschen, die in dieser Verordnung drin steht, die ja eigentlich im Grunde genommen wirklich nicht notwendig ist

Ich habe es mir noch einmal angeschaut, das Landessicherheitsgesetz sagt ganz genau, Dagmar hat es auch gesagt: Jeder Punkt in diesem Bereich ist gesetzeswidrig, ist verboten. Und ich weiß: Es ist manchmal wirklich schwierig, dass man halt manchmal auch die Angst der Menschen stößt, weil sie glauben, bettelnde Menschen gefährden die Öffentlichkeit oder das Fortkommen oder was auch immer. Vor drei Tagen hatte ich ein wunderschönes Erlebnis: Ich hab mich bewegt, vom Mirabellplatz in Richtung Priesterhausgasse. Da hatte ich Zeit, einiges zu beobachten: Bei dem Geschäft ist eine stille Bettlerin gesessen, wirklich zusammengekauert. Dann geht ein junger Mensch vorbei, ein Jausenbrot in der Hand – er hat sich umgedreht, ist zu dieser Frau gegangen, macht das Geldbörsl auf – und da war sicher nicht viel drinnen – und hat etwas gespendet. Wisst ihr, was das Schöne war? Dieser junge Mensch hat folgendes Erlebnis: Dass für Hilfsbereitschaft ihm ein Lächeln geschenkt worden ist...

...das war ein Mensch. Ein Mensch in einer Stadt, die die Menschenrechte sich auf die Fahnen geschrieben hat. Wir sind eine Menschenrechtsstadt. Vergessts das bitte nicht. Und auch Menschen, die zu uns kommen, haben das Recht, geschützt zu werden. Bitte ÖVP. Stimmts Namentlich gegen diesen Amtsbericht. Ihr werdets ned glücklich! Weil eines kann ich euch garantieren: Wenn ich euch am Donnerstag bei der Fußwaschung treffe, dann werde ich euch schon fragen: Was ist los mit euch?

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